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Yrsa Sigurdardóttir: Blut

btb

Der neue Thriller „Blut“ führt den Leser in den hohen Norden, genauer gesagt nach Island, wo auf einem Recyclinghof in mehreren Säcken mit Gartenabfällen menschliche Knochen gefunden werden. Dies ist ein Puzzlesteinchen der Gesamthandlung.
Dann lernt man Gunnis kennen, eine junge Frau, deren Traumjob es ist, Köchin auf einem Fischtrawler zu werden, genau wie einst ihr verstorbener Vater es war. Und ihr Traum geht in Erfüllung, als man sie kurzfristig anheuert, um für einen erkrankten Koch einzuspringen.
Sie wird an Bord eher verhalten vom Kapitän und der Mannschaft spürbar ablehnend begrüßt. Sie ahnt, dass es etwas mit dem Tod ihres Vaters zu tun haben könnte, denn auf dem Trawler, auf dem er zuletzt arbeitete, kam es zu einem folgenschweren Brand, den er verursacht haben soll. Neben ihm starben noch viele weitere Menschen bei diesem schrecklichen Ereignis, weswegen man ihr wohl mit Skepsis begegnet. 
Als Gunnis einen Gegenstand findet, den sie ihrem Vater zuordnet und Papiere, die auf den damaligen Brand ein ganz anderes Licht werfen, spannt sich die Lage an Bord an. Es passieren merkwürdige Dinge in ihrem Umfeld, die sie versucht logisch nachzuvollziehen bzw. jemanden dafür ausfindig zu machen, der ihr diese „Streiche“ spielt, was ihr aber nicht gut gelingt, bis es dann lebensbedrohlich für Gunnis wird…
Wer die zuvor erschienenen Thriller „Schnee“, „Nacht“ und „Rauch“ ebenfalls gelesen hat, erkennt sicherlich die Gerichtsmedizinerin Iðunn und den Polizisten Týr hier wieder. Sollte jemand die eben genannten Thriller noch nicht kennen, kann ich sie nur empfehlen, man benötigt aber keine Vorkenntnisse, um der aktuellen Handlung zu folgen.
Tyr und seine Kollegin Karo müssen sich mit einem ausufernden Nachbarschaftsstreit auseinandersetzen, der sich langsam zuspitzt. Auf der einen oder anderen „Zaunseite“ passieren immer neue unerklärliche Dinge, wo ein bereits verstorbener Hund wieder „auftaucht“ und dann auch noch ein Fragen aufwerfender Todesfall die einstige ruhige Wohngegend erschüttert…
Und in Iðunns Aufgabenkreis fällt dann die Untersuchung des oben erwähnten menschlichen Knochenfundes.
Den angenehmen, ruhigen Erzählstil der isländischen Autorin kenne und mag ich bereits seit vielen Jahren, denn ich habe alle ihre bisher in Deutschland erschienen Bücher gelesen.
Auch diesmal schwört sie peu à peu eine düstere, nichts Gutes ahnende Atmosphäre herauf. Die bildhafte Sprache lässt einem in manchen Szenen die Nackenhaare hochstehen. Man rätselt mit, wer an Bord oder auch in der Nachbarschaft sein Unwesen treibt. Tatsächlich war mir eine Figur von Anfang an, nicht ganz geheuer und ich lag damit richtig, was ich aber nicht als Punktabzug werte, denn das eigentliche Geschehen und was sich dahinter noch alles verbirgt, konnte ich natürlich nicht erahnen. Alles in allem hat mir dieser „ruhig“ erzählte Thriller wieder sehr gut gefallen und ich kann nur meine Lese-Empfehlung aussprechen und bin auf den nächsten Thriller der Autorin gespannt.
Fazit: Ruhig erzählter, sich langsam aufbauender Thriller mit Gänsehautmomenten, den man nicht verpassen sollte!
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