Goldmann
Die irische Autorin war mir bisher nicht bekannt. Die Inhaltsangabe auf der Coverrückseite von „Alles ihre Schuld“ klang interessant und ich war gespannt, was mich hier erwartet.
Zum Inhalt:
Marissa Irvine und Jenny Kennedy sind zwei Mütter, die sich bei einem Schulempfang kennenlernen, gut verstehen und besprechen, dass sich ihre beiden kleinen Jungs mal zum Spielen verabreden könnten.
Von so einem „Playdate“ will Marissa ihren vierjährigen Sohn Milo nun abholen und ist erstaunt, als die Frau, die ihr öffnet nicht Jenny oder Jacobs Kindermädchen ist, sondern freundlich erwidert, dass Marissa sich wohl in der Adresse geirrt habe, denn sie kenne keinen Milo und er wäre auch nicht hier.
Marissa holt ihr Handy raus und zeigt der Frau Jennys Nachricht:
»Die Adresse ist Tudor Grove 14 – sollte ich noch nicht zu Hause sein, wenn du Milo abholst, passt unsere Nanny auf ihn und Jacob auf.«
Richtige Adresse, aber kein Milo! Wenn das für Marissa nicht schon schockierend genug ist, kommt es noch schlimmer, denn Jenny weiß nichts von einem ausgemachten Playdate und von ihr stammt auch nicht die Nachricht mit der Adresse…
Milo bleibt auch nach Einschalten der Polizei und einer intensiven Suche mit Handzetteln, Plakaten und Berichterstattungen in den Medien spurlos verschwunden…
Mehr darf man von Inhalt nicht verraten, das würde nur den Lesegenuss schmälern.
Die Handlung ist übersichtlich abgefasst und der mal etwas anders gestaltete Erzählstil der Autorin ist angenehm flüssig und fesselt die Leserschaft ganz geschickt ans Geschehen.
In kurzen Kapiteln, aber aus unterschiedlichen Perspektiven und Zeitebenen setzt sich das Gesamtbild zusammen. Ein sich immer weiter ausdehnender Personenkreis wird „sichtbar“, aber mit offenen Karten scheint hier niemand zu spielen, was sich auch gut im wendungsreichen Verlauf widerspiegelt.
Insgesamt hat mir der mal etwas anders aufgebaute Erzählstil gut gefallen, besonders das die Arbeit der Polizei eher im Hintergrund stattfindet, bzw. sie nicht zu den Erzählsträngen gehört, sondern Ergebnisse, Erkenntnisse bzw. Fortschritte im Fall Milo sind geschickt ins Geschehen eingewoben.
Von einem Thriller möchte ich hier nicht unbedingt sprechen, eher von einem spannenden Kriminalroman. An der einen oder anderen Stelle fand ich die Handlung etwas „unrund“ und das Tempo flacht im Mittelteil etwas ab, was etwas schade ist. Dies macht die Autorin aber wieder wett, denn ganz besonders gut ist ihr der Schlussakkord gelungen!
Beim Lesen „überfiel“ mich eine schwer zu beschreibende Skepsis zweier Personen gegenüber, obwohl es hier durchaus mehr verdächtige Kandidaten gibt und lag tatsächlich richtig, was aber das Lesevergnügen nicht geschmälert hat, denn den genauen Ausgang konnte ich natürlich nicht vorhersehen. Insgesamt gibt es von mir vier von fünf möglichen Punkten und meine unbedingte Lese-Empfehlung
Fazit: Mal anders aufgebaute Spannungsliteratur, an der man nicht vorbeikommt!