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Catherine Shepherd: Düsteres Wasser

Kafel Verlag

Ein neuer Fall für die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz
Ende letzten Jahres erschien aus der Julia-Schwarz-ReiheVerloschen“, wo an unterschiedlichen Orten Kölns Leichen auftauchten, bei denen Körperteile entfernt und fremde angenäht wurden. Diese Szenerie allein lässt einen schon frösteln und auch der gesamte Kriminalfall hatte es in, weswegen man schon gute Nerven brauchte um das weitere Geschehen zu lesen. Gerade diesen spannenden und wohl dosierten Nervenkitzel liebe ich an dieser Thriller-Reihe!
Nun schickt die Autorin ihre Hauptakteurin in „Düsteres Wasser“ bereits in ihren siebten Einsatz:
Schon im Prolog stellen sich einem die Nackenhaare hoch, als man miterlebt, wie eine junge Frau über ein Brückengeländer in eiskaltes Wasser stürzt und darin ertrinkt.
Und genau diese Frau wird aus dem eiskalten Rheinwasser tot geborgen und landet dann zur Obduktion in der Rechtsmedizin, wo Julia Schwarz sie in Augenschein nimmt. Recht schnell fallen ihr einige Dinge auf, die einen Selbstmord infrage stellen und eher auf Folter und Mord hindeuten. In der Kleidung der Toten findet man zwar eine Art Abschiedsbrief, aber keinen Hinweis auf ihre Identität!
Im Verlauf ereignen sich noch weitere ähnlich gelagerte Todesfälle, weswegen bald nach einem Serientäter gesucht wird. Während die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, tauchen einige verdächtige Personen auf, wobei sich auch zu Julias Leidwesen jemand aus ihrem beruflichen Umfeld merkwürdig und auffällig verhält und daher der Polizei Rede und Antwort stehen muss.
Erneut ist es Catherine Shepherd gelungen, einen spannenden Thriller zu schreiben, der mit Gänsehaut-machenden Szenen angereichert ist. Das Böse selbst ist gut versteckt, nicht erkennbar im Geschehen verborgen, weswegen die Enttarnung dann für einen Überraschungseffekt sorgt und mir gut gefallen hat.
Jedes Mal aufs neue freue ich mich, wenn es einen neuen Thriller von Catherine Shepherd zu lesen gibt. Da sie nicht nur Julia Schwarz ins Rennen schickt, sondern auch das Berliner LKA-Duo Laura Kern und Max Hartung, das zuletzt in „Der Bewunderer“ ermittelte, sondern auch durch ihre spannenden Zons-Thriller bekannt ist, hat man als Leser(in) die Qual der Wahl, oder liest sie am besten gleich alle!
Fazit: Spannung mit Gänsehaut-Garantie, die für fesselnde und unterhaltsame Lesestunden sorgt!
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Bernd Mannhardt: Mücke und Elefant

Kürzlich hatte ich ja hier von Bernd Mannhardt „Du kommst mir gerade richtig“ vorgestellt, eine mordsfidele Sammlung von Kurzgeschichten, aus denen nur so der schwarze Humor heraustropft.
Nun hat der Autor eine neue  mordsfidele Geschichte mit dem Titel „Mücke und Elefant“ veröffentlicht, wobei einem erst einmal das gelungene Cover ins Auge „sticht“.
Erneut hat der Autor in seiner ganz besonderen augenzwinkernden Art und Weise hier eine Szenerie eingefangen, die das Leben schrieb: Inspiriert durch die unumstößlichen Hürden der deutschen Bürokratie, ist ihm dazu folgende schwarzhumorige Kriminalgeschichte eingefallen:
Der „Todes-Fall“ – im wahrsten Sinne des Wortes! – des Schriftstellers Bernhard Mücke ist der große Aufmacher einer Boulevardzeitung.
Während dort noch spekuliert wird, was den Mann in den Tod getrieben hat, erfährt man als Leser, dass besagter Bernhard Mücke kurz vor seinem Ableben auf dem Bürgeramt vorstellig war, um seinen neuen Reisepass zu beantragen. Dort kommt es für den Mann zu einem einschneidenden Vorfall, in dessen Verlauf Bernhard Mücke „Abstriche“ bei seiner einzigartigen Signatur machen muss. Seit Anbeginn seiner ersten Unterschrift beendet er diese mit einem Punkt, was aber die starren Vorschriften des deutschen Amtsschimmels verbieten, weswegen Mücke zwingend auf diesen prägnanten Teil seiner Unterschrift verzichten muss!
….auf dem Rückweg vom Amt stürzt Bernhard Mücke von einer Brücke in den Tod.
Die oben erwähnte Presse macht sich Gedanken, warum man nun Mückes plötzlichen Tod zu beklagen habe. In großen Lettern wird spekuliert, dass er aufgrund des einschneidenden Erlebnisses auf dem Amt, psychisch aufgewühlt und so verzweifelt war, dass er keinen anderen Ausweg sah, als freiwillig aus dem Leben zu scheiden!?
Auch ein erfahrener Grafologe, der Mückes Unterschrift kürzlich erst „unter die Lupe“ genommen hatte, verlautbart sehr wortreich und ausschweifend seine fachmännischen Erkenntnisse über dessen Signatur. Außerdem betrachtet er sie nochmals unter dem Aspekt, ob der frühe Tod des Schriftstellers schon andeutungsweise in seinem schwungvoll ausgeführten Namenszug erkennbar gewesen sei.
Die Polizei ermittelt ganz nüchtern, ohne sich um die öffentlichen Spekulationen zu scheren und gibt dann ganz überraschend folgendes zu Protokoll: …………………………….
Tja, wer wissen will, warum Mücke aus dem Leben schied, dem empfehle ich das Lesen dieser unterhaltsamen schwarzhumorigen Geschichte, die mir wieder sehr gut gefallen hat!

 

Wer nicht gern selbst liest und lieber zum Hörbuch greift, dem sei gesagt, „Mücke und Elefant“ gibt es auch sehr hörenswert vertont, denn die Geschichte wird vom Autor selbst vorzutragen. Er moduliert seine Stimme für jede der fünfzehn, in der Handlung vorkommenden Mitwirkenden anders, sodass man sie gut unterscheiden kann und die Handlung lebendig wird.
Egal für welche Ausgabe von „Mücke und Elefant“ man sich entscheidet, hier gibt es eine mordsfidele Geschichte, die das Leben schrieb und wunderbar schwarzhumorig eingefärbt wurde. Einmal mehr hat der Autor mit seiner besonderen Beobachtungsgabe bewiesen, dass aus einer harmlosen Situation durch einen kleinen Schuss schwarzen Humor recht schnell eine schräge, bitterböse Szenerie entstehen kann.
Fazit: Bestechendes Cover, schwarzhumoriger Inhalt, der in der hörenswerten Autorenlesung lebendig wird!
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Bernd Mannhardt: Du kommst mir gerade richtig!

Mordsfidele Geschichten für quietschvergnügte Leser
Nach einem einleitenden Vorwort des Autors findet man hier zehn Kurzgeschichten, aus denen der schwarze Humor nur so heraustropft:
Performance: Köhler hat einen hohen Frauenverschleiß: Einmal überdrüssig geworden, hat er eine ganz besondere Masche, die Dame wieder loszuwerden. Doch bei seiner letzten „Performance“ schießt er im wahrsten Sinne des Wortes über das Ziel hinaus…
Hoch hinaus: Roman Nagel ist mit Leib und Seele Bauingenieur. Sein Privatleben existiert einfach nicht bzw. nur in Form seines kleinen Hundes Albert, den er über alles liebt. Nachdem er finanziell ausgesorgt hat, will er nun auch endlich eine Familie gründen und die Ehe mit Viola wird geschlossen. Doch die entpuppt sich als nicht das, was Roman sich unter einer treusorgenden Ehefrau versprochen hat und er will die Scheidung. Doch Viola will Geld! Und um ihre Forderung zu untermauern, entführt sie kurzerhand Albert…
Sensible Geschäfte: Nadja Komorow ist viel aus beruflichen Gründen unterwegs. Zufällig lernt sie in Rom einen Mann kennen, der sie einlädt, die Blaue Grotte mal aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen…
I.N.A: Dies ist die Geschichte eines Reporters, der auf der Suche nach Top-Storys bei der gerade herrschenden Flaute im Blätterwald selbst Hand anlegt – und auf die Titelseiten kommt!
Alex liest vor: Die Polizei wird mit einer Mordserie an jungen Frauen in Atem gehalten. Nach umfangreichen Recherchen im Internet hat man dann endlich einen Verdächtigen, aber der hat ein Alibi mit Namen Silke. Doch so wasserdicht ist das Alibi nicht, denn die Dame hat eine ganz besondere Vorliebe…
Besonders gut gefällt mir der Schreibstil des Autors, der seine Figuren anfänglich völlig unbedarft und tapsig in Situationen hineinlaufen lässt, aus denen sie meistens nicht mehr unbescholten herausfinden bzw. durch eine kleine böse Wendung in der Handlung etwas Unvorhersehbares passiert!
Den Hauptakteuren aus diesen Geschichten sollte man am besten aus dem Weg gehen, bevor sie zu einem sagen: „Du kommst mir gerade richtig!
Fazit: Schaurig schöne, bitterböse Kurzgeschichten, wunderbar geschrieben: Was blauäugig beginnt, wird schwarzhumorig gewandelt – und am Ende ist meist jemand tot
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Stephan Ludwig: ZORN- Ausgelöscht

Fischer Verlage

Fall Nr. 12 für die Kult-Ermittler Zorn und Schröder

Auf der Cover-Innenseite des neuen Thrillers von Stephan Ludwig „Ausgelöscht“ sind alle vorherigen Titel dieser Reihe abgebildet. Wenn ich an meinem Bücherregal entlang schaue, stehen sie tatsächlich dort alle aufgereiht und seit dem ersten Fall „Tod und Regen“ aus dem Jahr 2012 bin ich ein großer Fan dieser Reihe und dem ganz speziellen Ermittler-Duo!
Über die Jahre wechselte ja immer mal wieder die „Führungsposition“ zwischen den beiden Ermittlern. Obwohl Schröder immer noch zu Zorn „Chef“ sagt, stimmt dies seit geraumer Zeit nicht mehr, da dieser ja selbst diese Position innehat. Doch Kommissar Claudius Zorn ist das sehr recht, wie die Fans der Reihe ja bereits wissen. Auch haben beide Kommissare im Verlauf der Zeit durch ihren beruflichen Einsatz – wie zuletzt in „Opferlamm“ – körperliche und seelische Blessuren erlitten, doch eins ist über diese lange Zeit immer weiter gewachsen und ist mittlerweile unumstößlich: ihre bedingungslose Freundschaft! Die sie aber nicht unbedingt für jedermann nach außen kehren, sondern gern in herrlichen Wortgefechten zur Schau stellen. Dieser ganz besondere Humor ist mittlerweile Kult und darf keinesfalls in der Handlung fehlen, da er diese Reihe so „einzigartig“ macht!
Auch diesmal kann ich schon gleich vorweg verraten, dass der neue Fall mal wieder spannend und humorvoll gelungen ist:
Während Kommissar Zorn mit den technischen Raffinessen seines neuen Autos noch auf Kriegsfuß steht, gibt es von seinem kleinen Sohn Edgar bei gemeinsamen Fahrten diesbezüglich hilfreiche Tipps. Was Zorn wurmt! Doch er hat keine Zeit sich darüber zu ärgern, denn er wird zum Einsatz gerufen, da im Krankenhaus ein Mann aufgewacht ist, dem man bei einem heimtückischen Überfall fast die Finger der rechten Hand abgetrennt hat. Allerdings kann er sich an seinen Namen oder was mit ihm geschehen ist, nicht erinnern.
Wer dieser Mann ist und ob seine Erinnerung wieder zurückkommt, ist ein komplexer Handlungsteil dieses Thrillers, der dann auch aus seiner Sicht erzählt wird.
Schröder und Zorn sind dem Mann etwas an Informationen voraus, denn anhand seiner Ausweispapiere und mithilfe seiner Ex-Frau wird er als Jakob Fender identifiziert. In einem Hinterhof hatte man ihn brutal zusammengeschlagen, kaum noch am Leben zwischen Mülltonnen liegend und aus einer tiefen Schnittwunde an der Hand blutend, aufgefunden. Doch da es an Augenzeugen fehlt und auch sonst keine relevanten Spuren gibt, können die Ermittler nur auf die hoffentlich bald eintretende Erinnerung des Mannes warten….
Recht schnell werden die beiden Ermittler allerdings von diesem Fragen aufwerfenden Fall abgelenkt, denn es wird ein Leichenfund gemeldet, der ihre volle Aufmerksamkeit fordert: 
An einer viel befahrenen Hochstraßenbrücke hängt ein Toter, ein Selbstmord kann schnell ausgeschlossen werden, doch im Verlauf gibt es Hinweise, die zum Überfall auf Jakob Fender führen…
Lange Zeit lässt Stephan Ludwig seine Leser spekulieren, was es mit Jakob Fender auf sich hat. Das ist ihm gut gelungen, obwohl ich mit manchen Vermutungen richtig lag, konnte ich die Zusammenhänge, den stellenweise recht gruseligen Verlauf und letztendlich das Gesamtgeschehen nicht vorhersehen, weswegen ich hier meine unbedingte Lese-Empfehlung ausspreche.
Herrlich humorvoll waren auch wieder die Einblicke in das Privatleben von Schröder und Zorn, die bildhaft geschildert werden und man sie somit direkt vor Augen hat, sodass man zwischendrin auch mal herzlich lachen kann!
Durch die oben aufgezählte Kombination aus Kriminalfall mit Gruselmomenten und den humorvollen „Nebenschauplätzen“ bekommt der gelungene und lesenswerte Thriller von mir die volle Punktzahl und ich hoffe, dass die Reihe weiter fortgeführt wird!
Fazit: Ausgelöschte Erinnerungen, aufsehenerregende Morde und ein Kult-Ermittler-Duo, das sich Wortgefechte liefert, vermengen sich zu einem Thriller, der mit Spannung, Gänsehaut und Humor ganz hoch punkten kann!
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Viveca Sten: Kalt und still

DAV

Der erste Fall für Hanna Ahlander
Ich kenne und liebe die spannende Buchreihe von Viveca Sten, die sie im Stockholmer Schärengarten angesiedelt hat, wo Kommissar Andreasson in Sandhamn Kriminalfälle löst, wie zuletzt in „Das Grab in den Schären“, wo er auch oftmals auf seine Jugendfreundin Nora Linde trifft, die ihn gern mit Rat und Tat zur Seite steht. Mittlerweile ist diese Reihe ja auch schon sehenswert fürs Fernsehen verfilmt worden.
Nun startet die Autorin eine neue Krimi-Reihe mit der schwedischen Polizisten Hanna Ahlander.
Diese wird kurz vor Weihnachten von ihrem Freund verlassen und muss aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen. Außerdem kommt es zu Zwistigkeiten im Beruf, weswegen ihr Chef ihr unverständlich klarmacht, dass sie sich eine neue Dienststelle suchen soll, denn im Stockholmer Revier ist sie nicht mehr erwünscht.
Hanna ist am Boden zerstört und steht privat und beruflich vor einem großen Scherbenhaufen. Ihre große Schwester versucht sie auf andere Gedanken zu bringen und lädt sie in ihr zurzeit leer stehendes Ferienhaus in Åre ein, einem im hohen Norden Schwedens liegenden Ort, den Hanna noch gut aus ihrer Kindheit kennt.
Die Hörbuch-Lesung von „Kalt und still“ hat Vera Teltz übernommen, was für die folgende Handlung sehr gut passt, da sie mit ihrer angenehmen Stimme und deren passenden Variationen, die Stimmung und die Atmosphäre ganz prima einfängt und die fast zehnstündige Lesung wie im Flug vergeht!
Kurz nachdem Hanna im tief verschneiten Åre ankommt, erfährt sie, dass Amanda, ein 18-jähriges Mädchen vermisst wird und sie beteiligt sich an der Suche nach ihr. Dabei lernt sie einige Einheimische kennen, knüpft so erste Kontakte und erfährt so einige wichtig klingende Informationen über die Vermisste.
Der leitende örtliche Kriminalpolizist heißt Daniel Lindskog, der beruflich sehr engagiert ist, weswegen er bei den sich ausweitenden Ermittlungen und dem Mangel an Mitarbeitern, pausenlos im Einsatz ist. Darunter leidet sein Privatleben, denn seine Freundin und er sind gerade Eltern eines kleinen Mädchens geworden, was ihn sehr glücklich macht und er bestrebt ist ein harmonisches Familienleben zu führen, doch bald kommt er an seine Grenzen…
…. und da kommt Hanna Ahlander ins Spiel, die sich an die örtliche Polizeidienststelle wendet, um die ihr wichtig erscheinenden Informationen im Fall der vermissten Amanda weiterzugeben.
Im Verlauf bilden Hanna und Daniel ein Ermittler-Team, das gut harmoniert!
Ich finde den Auftakt der neuen Krimi-Reihe gelungen!
Viveca Sten hat hier mal wieder bewiesen, was für eine gute Geschichtenerzählerin sie ist. Aus unterschiedlichen Erzählsträngen, Perspektiven und Figuren baut sich eine spannende, nicht vorhersehbare Gesamthandlung auf, die sich wie ein „reales Geschehen“ anfühlt, denn zum Schluss erfährt man als Leser auch, wer verurteilt und welche Strafen verhängt wurden!
Für meinen Geschmack hätte es zwar bei den beiden „Hauptfiguren“ ein etwas weniger stressiges Privatleben sein dürfen, aber beide kommen sympathisch rüber und zeigen hier ihr berufliches Können, was mir gut gefallen hat und es deswegen auch keinen Minuspunkt gibt.
Wie oben schon erwähnt, ist mit Vera Teltz als Vorleserin eine gute Wahl getroffen worden. Durch ihre angenehme Stimme und ihre besondere Vortragsweise gelingt es ihr sofort die passende Atmosphäre aufkommen zu lassen, weswegen die Geschichte lebendig wird und die Lesung wie im Flug vergeht!
Fazit: Viveca Stens neues Ermittler-Duo kommt gut an, die Story ist spannend und unvorhersehbar, die dann durch Vera Teltz besondere Vortragsweise zum Leben erweckt wird und die fesselnde Hörbuch-Lesung wie im Flug vergeht! So darf es gern weitergehen!
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Arrtu Tuominen: Was wir verbergen

Lübbe

Anfang dieses Jahres hatte ich hier „Was wir verschweigen“, den ersten Band dieser Krimi-Reihe vorgestellt. Kommissar Jari Paloviita wird darin mit einem Mordfall konfrontiert, der ihn weit in seine Vergangenheit katapultiert und die weiteren Geschehnisse ihn auf einem schmalen Grat wandern lassen, weshalb er in eine moralische Zwickmühle gerät  …
Nun ist das zweite Buch „Was wir verbergen“ erschienen und erneut geht es handlungsmäßig in die finnische Küstenstadt Pori, wo der Autor übrigens selbst mit seiner Familie lebt.
Gleich zu Beginn der Geschichte wird es explosiv, denn jemand hat eine Handgranate in den besonders in der queren Party-Szene beliebten Nachtclub Venus geworfen, wodurch mehrere Menschen sterben und viele verletzt werden.
Recht schnell taucht in den Medien ein Video auf, wo sich eine vermummte Gestalt zu dem Anschlag bekennt und sich als „Gesandter“ Gottes ausgibt. Er ruft zum Kampf gegen diese Sünder auf und demonstriert, dass er zu weiteren Taten bereit ist!
Wie bereits im ersten Buch übernimmt das Kripo-Team Jari Paloviita, Linda Toivonen und Henrik Oksman die Ermittlungen.
Kommissar Oksman übernimmt hier in der Geschichte einen ganz besonderen Part, war er doch kurz vor dem Anschlag auch Gast in dem Club, was aber niemand erfahren darf, denn auch er hat etwas zu „verbergen“. Aus seiner Perspektive wird teilweise die Handlung erzählt, wo man Einblick in sein Seelenleben bekommt, er sich mit Selbstzweifeln plagt und die Angst vor Entdeckung mit den sich daraus ergebenen Konsequenzen spürbar wird. Deshalb hat er nur ein Ziel vor Augen: den „Gesandten“ aufzuspüren und dingfest zu machen!
Arttu Tuominen schildert hier in einem angenehmen Erzähl-Stil sehr anschaulich eine bewegende, nachdenklich machende, teils aber auch nervenaufreibende Geschichte, die zu unterschiedlichen Schauplätzen führt, wo dann kriminelle Energie zutage tritt und die angespannte Atmosphäre bildhaft geschildert und spürbar wird.
Besonders der menschliche Aspekt seiner Figuren kommt – wie auch im vorherigen Band – hier zum Tragen und ist ein wichtiger Bestandteil des Geschehens und bildet mit den Kriminalfällen die spannende, aber auch „unter die Haut gehende“ Gesamthandlung. Eine kleine Ahnung hatte ich, wer sich hinter dem „Gesandten“ verbirgt und lag tatsächlich richtig, was aber die Lese-Empfehlung keineswegs schmälert und ich insgesamt vier von fünf möglichen Punkten vergebe und hoffe, dass die Reihe bald fortgesetzt wird!
Fazit: Anschaulich geschilderte Kriminalhandlung, die bewegt, nachdenklich macht, aber auch nervenaufreibend daherkommt, weswegen ich hier meine Lese-Empfehlung ausspreche und auf eine baldige Fortsetzung der Reihe hoffe!
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Ragnar Jónasson: Totenklippe

der Hörverlag

Nach „Blindes Eis“ ist nun auch das vierte Hörbuch „Totenklippe“ aus der Dark-Iceland-Reihe erschienen. Erneut hat der Schauspieler Steffen Groth die Lesung übernommen.
Zuletzt bahnten sich ja berufliche und ganz besonders private Veränderungen bei Ari, dem isländischen Polizisten an, der in dem beschaulichen Ort Siglufjörður lebt und arbeitet. Wie es damit weitergeht, ist Teil der aktuellen Handlung.
Es sind nur noch ein paar Tage bis Weihnachten als Ari einen Anruf von seinem  ehemaligen Chef und Kollegen Tómas bekommt. Dieser bittet Ari um Mithilfe bei den Ermittlungen in einem etwas merkwürdig anmutenden Todesfall:
Im Norden Islands hat man eine junge Frau tot unterhalb der dortigen Klippen aufgefunden. Es könnte sich durchaus um einen Unfall handeln, doch als Ari erfährt, dass man vor vielen Jahren an genau der Stelle auch die Leiche der Mutter und der jüngeren Schwester der Toten fand, wird er hellhörig und willigt ein, Tómas bei den Ermittlungen vor Ort zu unterstützen.
Es lebt nur noch eine kleine Gruppe Menschen an dem abgelegenen Ort und als sie zu dem Todesfall befragt werden, stellt sich schnell herausstellt, dass sie alle ihr „Päckchen“ und auch so manches gut verborgenes Geheimnis mit sich herumtragen….
Steffen Groth variiert bei der Lesung seine Stimme, so dass man die Mitwirkenden gut unterscheiden kann.
Zu Beginn schwebt eine etwas düstere, geheimnisvolle Atmosphäre über dem Geschehen, das der Autor wieder in seinem ruhigen Erzählstil und mit anschaulichen Szenerien aufgeschrieben hat. Der Leser bekommt Einblick in die isländischen Weihnachtstraditionen und Gebräuche, was gut zur Rahmenhandlung und zur Weiterentwicklung der Hauptfigur passt.
Um was es hier letztendlich thematisch geht, war mir recht schnell klar, mindert aber die Hörempfehlung dieses Buches keinesfalls, denn die tief verborgenen Geheimnisse der Menschen an diesem recht einsamen Ort, schwappen erst langsam an die Oberfläche, so dass menschliche Schicksale sichtbar werden, verdächtige Personen zu Tage treten und am Ende durch einen Twist, sich aber auch „das Böse“ zeigt, das einen die Nackenhaare hochstehen lässt!
Auch das vierte Hörbuch aus der Dark-Iceland-Reihe hat mir gut gefallen, es ist spannend und hörenswert, weswegen die Reihe gern fortgeführt werden darf!
Fazit: Obwohl erneut leise erzählt, fesselt die spannende Handlung bis zum Schluss!
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John Grisham: Der Verdächtige

Heyne

Von John Grisham habe ich schon einige Bücher gelesen und mich immer gut und spannend unterhalten gefühlt, wie zuletzt bei „Der Polizist“, wo nach jahrelanger „Abwesenheit“, der in Mississippi tätige Anwalt Jake Brigance (vielen bekannt aus „Die Jury) mal wieder in Erscheinung tritt .
Nun habe ich den neuen Roman des Autors „Der Verdächtige„ gelesen, der handlungsmäßig nach Florida führt, wo Lacy Stoltz als Anwältin in der „BJC“, der Aufsichtsbehörde arbeitet, die sich mit standeswidrigem Verhalten von Richter(n)innen befasst. Kürzlich war es Lacy gelungen einen aufsehenerregendem Fall von Korruption – den genauen Hergang kann man übrigens in „Bestechung“  nachlesen – aufzuklären.
Doch nun ist gerade etwas Ruhe eingekehrt und ihr Feierabend in greifbarer Nähe als das Telefon klingelt und eine weibliche Stimme sich meldet und Lacy um ein „Vieraugengespräch“ bittet, da sie ein schwerwiegendes Fehlverhalten eines Richters melden möchte.
Etwas zögerlich willigt Lacy ein und  trifft sich mit der Unbekannten, die sich aus Ängstlichkeit und der Sorge vor Entdeckung anfangs hinter dem Pseudonym Margie verbirgt, aber Erstaunliches zu berichten hat:
Aus privaten Gründen ist sie seit mehr als 20 Jahren auf der Suche nach Beweisen um einen ihr namentlich bekannten Richter als Mörder zu überführen. Akribisch hat sie eine Vielzahl an Akten angelegt, die sich aber nicht nur mit einem Todesfall beschäftigen, sondern es geht um eine ungelöste Mordserie, die sich über mehrere Staaten Amerikas erstreckt. Einen Zusammenhang zwischen diesen Fällen hat bisher nur sie entdeckt. Da es kürzlich wieder einen Mord gab, der „seine Handschrift“ trägt, sollen sich nun die offiziellen Stellen – und allen voran das BJC und somit Lucy – damit beschäftigen diesem Richter das Handwerk zu legen bzw. alle notwendigen Schritte einleiten, damit er gefasst wird. 
Lucy bekommt es mit einem hoch intelligenten, penibel Fehler vermeidenden und keine Spuren hinterlassenden Mörder zu tun, dem es auch nicht verborgen bleibt, dass gegen ihn ermittelt wird. Er spielt bald Katz und Maus mit seinen „Gegnern“, lässt aber auch das Morden nicht sein….
Ich habe das Buch gern gelesen und mich spannend unterhalten gefühlt.
Die Handlung splittet sich bald in unterschiedliche Perspektiven auf, was aber gut gelungen, den Lesefluss nicht beeinträchtigt und alles gut nachvollziehbar ist.
Bei den Hauptakteuren gibt es einen wohldosierten Einblick ins Privatleben, was gut in die Gesamthandlung eingewoben ist und nicht vom roten Faden ablenkt.
Besonders gut hat mir hier gefallen, dass John Grisham darauf verzichtet hat, dem Leser Gesetze und Vorschriften „zu erklären“, weswegen in diesem oder jenen Bundesstaat der USA die Strafverfolgung so oder so vonstattengeht.
Da die Suche nach Beweisen extrem schwierig ist, dies hier aber recht ausführlich geschildert wird und einen Großteil der Handlung einnimmt, kam das Ende der Story etwas abrupt für mich. Nach der schwierigen und komplizierten Suche zu Beginn, hätte ich mir den Showdown dann doch etwas „spektakulärer“ vorstellen können. Dies aber nur am Rande, denn an meiner Lese-Empfehlung für das spannende Buch, ändert sich deswegen nichts.
Fazit: Spannend und fesselnd geschilderte Jagd nach einem Mörder, der mit allen Wassern gewaschen ist!
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Stevens & Suchanek: Rachejagd – Gequält –

Heyne             NetGalley

Das Autoren-Duo war mir bis dato nicht bekannt. Mit „Gequält“ beginnt ihre als Trilogie angelegte Thriller-Reihe „Rachejagd“:
Im Prolog kann man miterleben welchem Martyrium die Freundinnen Anna und Natalie ausgesetzt sind. Ihr Peiniger Edward Harris hatte sie gemeinsam entführt und in einem düsteren, stinkendem Gefängnis gefangen gehalten. Anna gelingt es zu fliehen, muss aber ihre Freundin schweren Herzens zurücklassen, da es ihr nicht gelingt Natalies Fesseln zu durchtrennen. Und dann rennt Anna um ihr Leben…..
Drei Jahre vergehen und Anna arbeitet jetzt als Investigativ-Journalistin. Nur mit großer Mühe hat sie ihr Erlebtes hinter sich gelassen und es quält sie immer noch, dass sie ihrer Freundin Natalie nicht helfen konnte. Sie selbst war damals lange herumgeirrt und konnte mit letzter Kraft an einem Haus klingeln, sodass ihr geholfen werden konnte.
Ihr Fall hatte lange Zeit die Medien in Atem gehalten, ganz besonders, weil es Edward Harris gelungen ist zu fliehen. Seitdem hat man nie wieder etwas von ihm gehört, doch das ändert sich schlagartig:
Annas Arbeitstag beginnt mit dem Sichten ihrer Post. Ihr fällt ein Umschlag auf, der mit bräunlicher Schrift und dem Vermerk „persönlich“ versehen ist. Der Zettel der sich darin befindet riecht merkwürdig und schon beim Lesen der ersten Worte bleibt ihr fast das Herz stehen und ihr läuft ein kalter Schauer über den Rücken! Sofort ist die Alptraumszenerie von damals zurück und sie stellt sich die bange Frage:
Ist dieser Brief tatsächlich von ihrem Peiniger Edward Harris und fängt der Alptraum von damals wieder an?
Nun, diese Antwort bleibe ich hier schuldig. Denn es lohnt sich wirklich, sich auf diesen sehr spannenden und wendungsreichen Thriller einzulassen. Allerdings braucht man schon starke Nerven, denn die hier geschilderten Szenerien lassen einen schon die Nackenhaare hochstehen.
Anna durchlebt erneut eine alptraumhafte Zeit, allerdings hat sie einige Personen an ihrer Seite, auf die sie sich verlassen kann und die ihr hilfreich zur Seite stehen, das allerdings bleibt auch der Person nicht verborgen, die für den Brief verantwortlich ist….
Alles in allem finde ich diesen Thriller spannend und gelungen. Der Erzählstil ist flüssig und durch die vielen Twists in der Handlung wird es nicht langweilig. Die Mitwirkenden sind gut gezeichnet und recht schnell hat man sie vor dem inneren Auge parat. Die Szenerien werden sehr anschaulich geschildert, so dass einem beim Lesen schon mal der eine oder andere Schauer über den Rücken laufen kann.
Aber ich muss auch anmerken, dass ich recht schnell die Idee hatte, dass hier nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint und lag mit meiner Vermutung richtig, Das Auftauchen einer Person im Showdown hat mich nicht sonderlich überrascht, aber welchen Part sie schlussendlich einnimmt, muss man aber noch abwarten, so dass ich gespannt bin, wie es weitergeht.
Fazit: Spannender und wendungsreicher Page-Turner, der einem in den nervenaufreibenden Szenerien schon mal einen Schauer über den Rücken laufen lässt!
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Ragnar Jónasson: Blindes Eis

der Hörverlag

Im Juni d.J. hatte ich hier Todesnacht“ aus der Dark-Iceland-Reihe des Autors vorgestellt.
Nun ist das dritte Buch daraus mit dem Titel „Blindes Eis“ erschienen, das ich mir in der Hörbuchfassung von dem Schauspieler Steffen Groth habe vorlesen lassen:
Die Handlung dieser Reihe ist in Island, genauer gesagt im sehr abgelegenen Örtchen Siglufjördur angesiedelt. Vor geraumer Zeit hatte auf dem dortigen Polizeirevier der junge engagierte Polizist Ari seinen Dienst angetreten. Er war mitten im Winter aus der Großstadt Reykjavik in den beschaulichen Ort gezogen, wo er anfangs mit den vorherrschenden Witterungsbedingungen wie Kälte, Eis und Schnee, langer Dunkelheit und der damit verbundenen Einsamkeit zu kämpfen hatte. Diese düstere Stimmung findet man auch in den Geschichten der Reihe wieder.
Hatte Ari zuletzt den Mord an einem Bauunternehmer aufzuklären, ist die Kriminalitätsrate in der Gegend aber doch eher niedrig und kleinere Delikte an der Tagesordnung, weswegen er auch Zeit findet, sich mit einem weit zurück liegenden Kriminalfall zu beschäftigen:
Ari bekommt einen Anruf von Hedinn, einem älteren Mann, der ihn bittet, den für ihn fragenaufwerfenden Tod seiner Tante noch einmal zu untersuchen, denn es ist ein Foto aufgetaucht, worauf eine ihm völlig fremde Person abgelichtet ist…
Die Recherchen führen Ari 60 Jahre in die Vergangenheit und in eine sehr abgelegene Gegend, die man nur zu Fuß über einen schwer zugänglichen Bergpass erreichen kann. Dorthin zogen Ende der 1950ziger Jahre zwei Ehepaare um in einem einfachen Bauernhaus zu leben. Hedinn wurde dort geboren und einige Monate später starb seine Tante an einer Vergiftung. Damals wurde der Fall als Unfall eingestuft, aber es gab auch andere Gerüchte…
Parallel zu Aris Recherchen gibt es einen Handlungsteil, wo man die Journalistin Irsun kennenlernt, die sich mit einem aktuellen Fall von Kindesentführung beschäftigt. Im Verlauf kommen noch weitere „Ermittlungen“ hinzu, wo Drogenkonsum, Fahrerflucht oder auch kriminelle Verwicklungen bis in hohe Regierungskreise für Schlagzeilen sorgen.
Irgendwann kreuzen sich Aris und Isruns Nachforschungen…
Die Gesamthandlung setzt sich aus vielen kleinen Puzzlesteinchen zusammen, die Ari und im Verlauf auch Isrun durch akribisches Befragen von Zeitzeugen und unermüdliches Recherchieren zu Tage fördern.
Die Auflösung des „Vergiftungsfalls“ hat mich zwar nicht sonderlich überrascht, hatte ich doch in dieser Richtung schon gedacht, aber nichtsdestotrotz mag ich diese leise erzählten und nicht minder spannenden Geschichten aus dem Hohen Norden bzw. der Dark-Iceland-Reihe.
Da sich die Hauptfigur Ari mittlerweile weiterentwickelt hat und bei ihn eventuell privat sowie beruflich Veränderungen anstehen, bin ich gespannt wie es weitergeht.
Fazit: Ruhig erzähltes, aber nicht minder spannendes 3. Buch der Dark-Iceland-Reihe!
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