TOP

Ragnar Jónasson: Stille

btb

Im Dezember 2021 erschien von diesem Autor der Kriminalroman „Frost“, wo Helgi Reykdal – damals noch Kriminologie-Student  – einen Part in der Handlung hat.
Einige Zeit später tritt er bei der Polizei in Reykjavik seine Stelle als Mordermittler und somit die Nachfolge der ausscheidenden Polizistin HULDA Hermannsdóttir an. Wer diese Ermittlerin noch nicht kennen sollte, dem kann ich nur die spannende gleichnamige Krimireihe empfehlen!
Die aktuelle Handlung des Romans „Stille“ setzt sich aus unterschiedlichen Zeitebenen zusammen, wobei die Gegenwart im Jahr 2012 angesiedelt ist:
Beruflich hat Kommissar Helgi Reykdal mittlerweile einige Erfahrung sammeln können, in seiner Freizeit aber gibt es nichts Schöneres für ihn, als Krimis zu lesen, am liebsten die von Agatha Christie, aber auch gern andere ältere Exemplare aus dem Angebot des familieneigenen Antiquariats.
Nach reichlich Turbulenzen in seinem Privatleben genießt er nun die Zweisamkeit mit seiner Freundin Anita. Doch diese Harmonie wird im Verlauf jäh gestört. Was genau geschieht, ist ein Teil der Gesamthandlung und wird hier nicht weiter thematisiert.
Helgis neuester Fall ist ungewöhnlich, aber für ihn ganz besonders interessant:
Die über Islands Grenzen hinaus bekannte und erfolgreiche Krimiautorin Elín S. Jónsdóttir ist spurlos verschwunden und Helgi wird mit der Suche nach ihr beauftragt. Er legt sich ganz besonders ins Zeug, denn er kennt natürlich alle Bücher von ihr!
Da Elin bereits etwas älter ist und ihre Eigenheiten hat, macht sich ihr enger Freundeskreis erstmal keine großen Sorgen, denn sie könnte ja freiwillig „untergetaucht“ sein. Helgi fängt an sich mit dem Leben der bekannten Schriftstellerin zu beschäftigen und Gespräche mit ihren Freunden zu führen.
Im Verlauf stößt er auf Ungereimtheiten, denn ihre Freunde scheinen nicht mit offenen Karten zu spielen.
In die Gesamthandlung sind Auszüge aus einem Interview eingewoben, das Elin im Jahr 2005 gegeben hat. Ob es bei der Suche nach ihr weiterhilft?
Ragnar Jónasson überrascht seine Leserschaft mit einem eingewobenen Handlungsstrang, der um 1977 spielt und wo HULDA Hermannsdóttir in Erscheinung tritt!...
Wer wie ich bisher alle Bücher von Ragnar Jónasson gelesen hat, der kennt und mag seinen ruhigen Erzählstil. Er schafft es immer wieder aufs Neue aus einer fast belanglosen Anfangssituation einen weitreichenden, oftmals sich aus mehreren Zeitebenen zusammensetzenden Plot zu entwickeln, der einen von Beginn an fesselt, erstaunen lässt und wie auch diesmal mit einem Cliffhanger sehnsüchtig auf das nächste Buch der Reihe warten lässt.
Volle Punktzahl für diesen spannenden und lesenswerten Island-Krimi, der für alle HULDA-Fans noch eine kleine Überraschung in petto hat, was mir besonders gut gefallen hat.
Fazit: Ruhig erzählter, von Beginn an spannender und fesselnder Island-Krimi, der die volle Punktzahl erreicht und für HULDA-Fans noch eine kleine Überraschung in petto hat! Gern noch lange weiter so!
Read More
TOP

Satu Rämö: HILDUR – Das Tal der Schuld

Heyne Verlag

Fall Nr. 5 für Hildur Rúnarsdóttir

Gut ein Jahr ist vergangen seit mich „Die Toten am Meer“, der vierte Band dieser isländischen Krimi-Reihe begeistert hat.
„Das Tal der Schuld“ ist ein gut gewählter Titel für den Inhalt des aktuellen Bandes:
Die Handlung führt gleich zu Beginn mitten ins Geschehen, wo man am Alltag der Menschen in Island teilnimmt. Es ist September 2023 und die Kriminalbeamtin Hildur ermittelt gerade mal nicht in einem Fall. Sie engagiert sich, wie viele andere auch, beim jährlichen Schafabtrieb aus den Bergen.  Eine abwechslungsreiche Arbeit, aber auch kein einfaches Unterfangen.
Doch lange währt ihre „Auszeit“ nicht, denn beim Einsammeln der Schafe wird in einem einsamen, aber sagenumwobenen Tal die Leiche einer Frau gefunden. Hildur wird über den Fund informiert und sie macht sie auf den Weg, um sich vor Ort ein Bild zu machen.
Es ist kein schöner Anblick der sie dort erwartet, denn offenbar haben Krähen mit ihren spitzen Schnäbeln das Gesicht der Frau bis zur Unkenntlichkeit zerstört.
Es dauert etwas bis die Frau identifiziert und aus dem anfänglich vermuteten Unfall eine Mordermittlung wird. 
Wie gewohnt setzt sich die Gesamthandlung aus mehreren Handlungssträngen zusammen und führt in verschiedene Zeitebenen, wo die Autorin dann nach und nach das passende Puzzleteil parat hat, um das Geschehen voranzutreiben.
Das Auftauchen eines ehemaligen Kollegen irritiert Hildur und ihr Privatleben gerät etwas ins Straucheln. Komplizierter wird es dann noch, als ein alter Kriminalfall Parallelen zum aktuellen Leichenfund aufweist und die Ermittlungen weit in Hildurs Vergangenheit bzw. zu ihren beruflichen Anfängen führen.
Nicht nur die Ermittler suchen nach Antworten, auch Hildurs Tante Tinna will endlich herausfinden, was aus ihrer ältesten Schwester Hulda geworden ist. Diese war vor vielen Jahren aus unbekannten Gründen in ein anderes Land gezogen, seitdem hat niemand mehr etwas von ihr gehört oder gesehen. Weswegen Tinna sich auf Spurensuche begibt. 
Über der Gesamthandlung schweben von Beginn an düstere Wolken und auch das Thema hat es in sich weswegen mir auch ab und an die Nackenhaare hoch standen.
Seit dem ersten Buch dieser Krimi-Reihe mag ich den annehmen, gut aufgebauten Erzählstil der Autorin. Auch die gelungene Kombination aus Kriminalhandlung, Privatleben der Hauptfiguren und das Leben an sich in Island einschließlich der Sitten und Gebräuche ist etwas Besonderes und macht mittlerweile für mich diese Reihe aus.
Wer wie ich seit Beginn dabei ist, dem sind die Mitwirkenden mittlerweile gut bekannt. Auch hat man bereits durch die fortlaufende Rahmenhandlung einige Sorgen und Nöte oder auch Schicksalsschläge mit ihnen geteilt, sodass sie mir schon „wie gute alte Bekannte“ vorkommen, die man nicht mehr missen möchte.  
Wieder sind die Seiten nur so dahingeflogen und ich fand es schade, dass man sich schon wieder verabschieden musste. Die Krimi-Reihe darf gern noch lange so weitergehen. Ich bin gern wieder dabei. Auch Band Nr. 5 verdient die volle Punktzahl für fesselnde Spannung und bekommt meine unbedingte Lese-Empfehlung!
Fazit: Band Nr. 5 erhält die volle Punktzahl und meine Lese-Empfehlung, denn Spannung und gute Unterhaltung gehen hier Hand in Hand! Gern weiter so
Read More
TOP

Arnaldur Indridason: Zerbrochene Stille

Lübbe    Netgalley.de

Ich bin seit langem ein großer Fan dieses Autors, da er es schafft durch seine ruhige Erzählweise eine von Beginn an präsente düstere Spannung zu erzeugen, die einen in so manche Gänsehaut-Szenerie schlittern, und erst ganz am Ende aufatmen lässt. Ich kenne alle seine Island-Krimi-Reihen und diese um den pensionierten Kommissar Konrád verfolge ich seit seinem ersten Auftritt in „Verborgen im Gletscher„
Um die Geschehnisse in „Zerbrochene Stille“ richtig einordnen zu können, kann ich nur empfehlen, diese Reihe von zu Beginn an zu lesen, was sich auf jeden Fall lohnt, aber auch um die vielen Puzzleteile, aus denen sich die aktuelle Handlung zusammensetzt, richtig einordnen zu können:
Kommissar Konrad ist auch diesmal wieder völlig in seinem Element: Durch einen spektakulären Leichenfund in Reykjavik erinnert er sich an den alten Mordfall aus den 1970er Jahren. Damals war Konrad noch im Dienst und gemeinsam mit seinem Kollegen Leó an den Ermittlungen beteiligt. Obwohl der Fall als abgeschlossen gilt, kommen jetzt Zweifel an dem gemachten Geständnis auf und ganz besonders, wie es zustande kam.
Durch die Berichterstattung in den Medien, wird der Druck auf die Polizei und die Justiz immer größer, denn die Hinterbliebenen des vermeintlichen, mittlerweile verstorbenen Mörders wollen eine Aufklärung, wie es zu dieser Fehleinschätzung kommen konnte..
Aus diesem Grunde sucht Konrád Kontakt zu seinem früheren Freund und Kollegen Leó, doch der will nicht mit ihm über den alten Fall sprechen, weicht im ihm aus oder ist sturzbetrunken unterwegs…
Der Tod eines ausländischen Touristen, das plötzliche und spurlose Verschwinden eines Wäscherei-Besitzers vor vielen Jahren und noch offene Fragen im Mordfall von Konrads Vater sind ebenfalls „Ermittlungen“, mit denen sich Konrad auf seine ganz spezielle Art und Weise beschäftigt.
Wie bereits oben erwähnt, sollte man die vorherigen Bücher dieser Reihe kennen, denn es tauchen in der aktuellen Handlung Mitwirkende auf, wie z.B. Konrads gute Bekannte Eygló, die in „Die Wand des Schweigens“ erstmals ihr Gespür für übersinnliche Phänomene bewies und auch diesmal einen wichtigen Part übernimmt. 
Arnaldur Indridason ist es wieder gelungen einen spannenden, sehr weit gefächerten und mit vielen Mitspielern angereicherten Kriminalroman zu schreiben, den ich gern gelesen habe und der von mir vier von fünf möglichen Punkten bekommt.
Die Thematik umfasst Zeitgeschichte, die in die isländische Vergangenheit blicken lässt, aber auch insgesamt aktueller denn je ist. Die Gesamthandlung entwickelt sich langsam, lässt einen aber letztendlich in menschliche Abgründe schauen, sodass einem die Nackenhaare hochstehen.
Fazit: Kriminelle Energie gibt es hier reichlich! Bis alle Puzzleteile an Ort und Stelle liegen, dauert es etwas, aber ein spannender Showdown ist garantiert
Read More
TOP

Ragnar Jónasson: Hulda

btb

Ich erinnere mich noch gut, dass ich 2020 anfangs etwas gezögert habe, die „einsamste Kommissarin Islands“, Hulda Hermannsdóttir „kennenzulernen“. Doch als ich dann die ersten Seiten von „Dunkel“ gelesen hatte, war ich sehr schnell in der Handlung gefangen:
Besagte Kommissarin arbeitet bei der Polizei in Reykjavik und soll eher unfreiwillig mit 64 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand gehen, um einem jüngeren Kollegen Platz zu machen. Doch bevor sie ihren Abschied nimmt, ermittelt sie noch in einem alten ungelösten Fall…
Das Besondere an der als Thriller-Trilogie angelegten Reihe von Ragnar Jónasson ist, dass er sie rückwärts erzählt, d. h. Kommissarin Hulda verabschiedet sich zwar gleich im ersten Teil, aber in den folgenden Büchern „Insel“ und „Nebel“ wird ihre kriminalistische Vorgeschichte erzählt. Insgesamt hat mir die Trilogie sehr gut gefallen, denn Spannung und Nervenkitzel gibt es hier reichlich.
Durch das Cover des aktuellen Buches „Hulda“ erkennt man es sofort, der Autor setzt die obige Thriller-Reihe um die gleichnamige isländische Kommissarin zu meiner großen Freude fort.
Die Geschichte beginnt mit einem Epilog, der Weihnachten 1960 spielt und für ein junges Ehepaar mit ihrem einjährigen Sohn zu einem Alptraum und ein Cold-Case-Fall in den Akten der isländischen Polizei wird….
1980 ist Kommissarin Hulda Hermannsdottir Anfang 30. Sie lebt mit ihrem Mann Jon und ihrer sechsjährigen Tochter Dimmer zusammen und träumt von einem Haus am Meer. Doch diese Träumerei wird jäh durch einen Telefonanruf von ihrem Vorgesetzten unterbrochen, der ihr eine Beförderung in Aussicht stellt, wenn sie sich folgender Sache annimmt:
Durch den Fund eines Teddybärs in einer abgelegenen Jagdhütte gibt es eventuell eine Verbindung zu einem alten Vermissten-Fall aus dem Jahr 1960, wo an Heiligabend ein kleiner Junge entführt wurde..
Mit einer jungen, engagierten Kollegin im Schlepptau macht sich Hulda auf den Weg in den Norden, um Nachforschungen anzustellen, was sich im Verlauf als schwierig und von wenig Erfolg gekrönt erweist.
Von der ersten Seite an hat mich die Geschichte „eingefangen“ und durch den angenehmen Erzählstil des Autors flogen die Seiten nur so dahin. Über den bildhaft geschilderten Szenen schwebt eine unheimliche und düstere Atmosphäre. Die zermürbende Ungewissheit, was „damals“ geschah und bisher ungeklärt ist, wird spürbar und fesselt bis zum Schluss, wo der Autor dann mit einem unvorhersehbaren Ende überrascht, was mir sehr gut gefallen hat!
Fazit: Düster, fesselnder, nervenaufreibender Thriller, der obendrauf noch mit einem unvorhersehbaren Ende punktet! Unbedingt lesen!
Read More
TOP

Satu Rämö: Hildur – Der Schatten des Nordlichts

Heyne Verlag

Nach „Die Spur im Fjord“ und „Das Grab im Eis“, ist nun „Der Schatten des Nordlichts“ und damit das dritte Buch aus der HILDUR-Krimi-Reihe erschienen, dessen Handlung wiederum im isländischen Ísafjörður angesiedelt ist.
Es ist kurz vor Weihnachten und die Kriminalbeamtin Hildur Rúnarsdóttir und ihr aus Finnland stammender Kollege Jakob Johanson werden zu einem Leichenfund in einem Lachszuchtbecken gerufen. Nachdem sie am Fundort angekommen sind, steht schnell fest, es muss in Sachen Mord ermittelt werden.
Im Verlauf geschehen weitere mysteriöse Straftaten, z. B.  bricht eine Tierschützerin nach einem Kneipenbesuch bewusstlos zusammen und wird später mit verbrannten Haaren aufgefunden oder eine Journalistin wird während einer Recherche an einer Pferdeweide hinterrücks bewusstlos geschlagen…
 Jakob reist nach Finnland, um endlich einmal seinen kleinen Sohn wiederzusehen. Seine Ex-Frau hatte bisher fast alle Kontakte zwischen Vater und Sohn torpediert. Jetzt soll eine Gerichtsverhandlung endlich Klarheit bringen. Doch Jakobs Aufenthalt in Finnland verläuft ganz anders als erwartet…
Die Gesamthandlung wird aus unterschiedlichen Sichtweisen und Zeitebenen erzählt. Dies ist der Autorin gut gelungen, denn das Einordnen gelingt problemlos.
Handlungsmäßig wird es aber bald unübersichtlich, denn die Mordermittlungen ziehen recht weite Kreise. Besonders bei den Ermittlungsansätzen muss man aufpassen, dass man den roten Faden nicht verliert. Die Idee, mit Parallelen zu einer isländischen Weihnachtssage, konnte ich noch nachvollziehen, aber dann noch der Handel mit Tierblut, wie es „gewonnen“ wird bzw. welche kriminellen Machenschaften dort im Verborgenen schlummern, war mir dann doch zu viel Input.
Auch die Geschehnisse in Finnland, wo Jakob plötzlich unter Mordverdacht gerät und dringend Hildurs Hilfe braucht, fand ich nicht so gut gelungen. Recht schnell war mir klar, dass bei den ganzen Zeugenaussagen irgendetwas nicht zusammenpasst.
Obwohl die Reihe als Trilogie beworben wurde, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es hier doch noch eine Fortsetzung gibt, zumal bei dem in Hildurs Privatleben reichende Erzählstrang, noch viele Fragen offen geblieben sind.
Das Buch liest sich eigentlich gut, die beiden Vorgänger waren aber auf jeden Fall spannender und hatten inhaltlich mehr Potenzial, weswegen ich hier leider nur drei von fünf Punkten vergebe. Sollte es tatsächlich eine Fortsetzung geben, würde ich sie durchaus lesen, da ja, wie oben erwähnt, noch Fragen offen geblieben sind.
Fazit: Reicht nicht ganz an die beiden vorherigen Bücher heran, denn durch zu viel Input, taucht der rote Faden immer wieder ab, worunter leider die Spannung leidet.  
Read More
TOP

Yrsa Sigurdardóttir: Rauch

btb

Sehr lange bin ich schon ein großer Fan der isländischen Schriftstellerin, deren spannende Thriller ich bisher alle gelesen habe.
Nun ist ihr neues Buch mit dem Titel „Rauch“ erschienen. Man trifft auf zwei bekannte „Figuren“, nämlich die Gerichtsmedizinerin Iðunn und den Polizisten Týr -, die bereits zuvor in „Nacht“ einen Auftritt hatten und jetzt aktuell in der Handlung einen wichtigen Part übernehmen.
Die Gesamthandlung spielt in Island und setzt sich aus zwei Zeitebenen zusammen:
Eine fünfköpfige Freundesgruppe – die sich aus Studienzeiten kennt, aber mittlerweile nur noch ab und zu durch die sozialen Medien in Kontakt steht – findet sich auf einer Fähre rüber auf die Westmännerinseln wieder zusammen. Es ist ein trauriger Grund, der sie anreisen lässt, denn Gugga, eine junge Frau aus ihrem Kreis ist verstorben. Kurz vor ihrem Tod hatte sie ihre Freunde gebeten, sie im Krankenhaus zu besuchen, was aber keiner der jetzt Anreisenden „geschafft“ hatte. Jetzt wollen sie gemeinsam auf der Beerdigung Abschied von Gugga nehmen.
Nach der Trauerfeier besichtigt die Gruppe das unbewohnte und bald zum Verkauf stehende Haus der Verstorbenen. Dabei machen sie eine gruselige Entdeckung, die sie in ihre gemeinsame Studienzeit zurückkatapultiert, wo es auf einer exzessiven Party mit Drogen und Alkohol zu einem Zwischenfall gekommen war, den sie alle nur zu gern vergessen hätten…
Ab hier wird es turbulent. Es geschehen unheimliche und nervenaufreibende Dinge. Die Autorin schickt die Mitwirkenden in Szenerien, wo es einem eiskalt den Rücken herunterläuft. Es gibt einige Tote und die anfangs noch auf Harmonie einstellten Fassaden des Freundeskreises bröckeln peu à peu, bis keiner mehr dem anderen über den Weg traut..
In der anderen Erzählebene – die zeitlich nur ein paar Tage versetzt ist – reisen die Gerichtsmedizinern Iðunn und der Polizist Týr nebst einem Ermittlerteam auf die Westmännerinseln, da man am Strand in einem lodernden Feuer menschliche Überreste entdeckt hat. Außerdem wird eine weitere Leiche ganz in der Nähe gefunden….
Aus diesen Zutaten hat die Autorin einen wendungsreichen, mit reichlich Nervenkitzel angereicherten, spannenden Thriller geschrieben. Die geschickt zeitversetzten Informationen setzen sich Stück für Stück zu einem Gesamtbild zusammen, was mir gut gefallen hat. Ich mag ihren Erzählstil und war bereits nach ein paar Seiten in der Handlung „gefangen“ und konnte kaum das Buch kaum aus den Händen legen.
Von Beginn an liegt eine düstere, unheilvolle Atmosphäre über dem Geschehen und lässt nichts Gutes ahnen. Bald liegt die Vermutung nahe, dass jemand aus dem Freundeskreis nicht mit offenen Karten spielt, doch mir ist es nicht gelungen, diesen jemand zu entlarven! Was ich immer als positiv bewerte.
Die etwas schwierige Persönlichkeitsstruktur von Iðunn und ihre komplizierten familiären Beziehungen sind ein kleiner Nebenstrang der Gesamthandlung, was aber keinesfalls vom roten Faden ablenkt, sondern eher als feine humorvolle Note in diesem eiskalten Thriller zu sehen ist.
Alles in allem vergebe ich für diesen spannenden, wendungsreichen und nervenaufreibenden Thriller mit Gänsehautgarantie die volle Punktzahl und hoffe, die Autorin hat noch viele Ideen für weitere eiskalte Thriller!
Fazit: So muss ein Thriller sein! Die eiskalte Landschaftskulisse ummantelt die mörderische Handlung, die nervenaufreibend und unvorhersehbar bis zum Schluss den Leser ans Geschehen fesselt! Toll! Gern mehr davon!
Read More
TOP

Satu Rämö: Das Grab im Eis

Heyne Verlag

Im November letzten Jahres startete mit „Hildur – Die Spur im Fjord“ die isländische Krimi-Reihe um die Kriminalermittlerin Hildur Rúnarsdóttir, die in der Kleinstadt Ísafjörður aufgewachsen ist und nun auch dort seit einiger Zeit wieder lebt und arbeitet.
Der Auftakt der Reihe hatte mir gut gefallen. Ganz besonders gespannt war ich, wie es weitergeht in dem seit Jahren unaufgeklärten Vermisstenfall. Damals verschwanden die beiden jüngeren Schwestern von Hildur, die insgeheim immer noch nach ihnen sucht.
Jetzt ist die Fortsetzung „Hildur – Das Grab im Eis“ erschienen und die hat es in sich!
Die Gesamthandlung setzt sich aus unterschiedlichen Zeitebenen, Orten und Handlungssträngen zusammen. Die Einordnung gelingt mühelos, da die Autorin die jeweiligen Abschnitte mit Überschriften versehen hat.
Eisige Temperaturen und eine Schneelandschaft bilden die Kulisse der aktuellen Handlung, die im Februar 2020 angesiedelt ist. Hildur und ihr finnischer Kollege Jakob, bekommen es mit einem brisanten Mordfall zu tun:
Ein bekannter Kommunalpolitiker wurde in einem Skigebiet erschossen. Als man ihn auf der Loipe fand, trug er an den Füßen noch seine Skier. In Ísafjörður, wo die Kriminalitätsrate eher aus kleinen Delikten besteht, ist Hermann Hermannsson kein Unbekannter. Allerdings ist er kein besonders beliebter Politiker, es wird gemunkelt, dass er korrupt und in zwielichtige Machenschaften verwickelt sein soll, aber nachweisen konnte man es ihm bisher nicht. Die Ermittlungen fördern dann einige unschöne Dinge zutage…
Etwas in den Hintergrund tritt der obige Mordfall als es in Hildurs familiäre Vergangenheit geht. Es wird sehr spannend, denn das Verschwinden ihrer beiden Schwestern rückt in den Fokus des Geschehens und als Leser wird man mit einigen unvorhersehbaren Wendungen überrascht.
Der Erzähl-Stil der Autorin ist angenehm, flüssig und mit Lokalkolorit und Einblicken in die isländischen Sitten und Gebräuche angereichert, was gut ins Gesamtgeschehen passt.
Insgesamt kann man eine „Weiterentwicklung“ in der Buchreihe erkennen, nur für die volle Punktzahl reicht es mir noch nicht ganz, denn die weitreichenden Recherchen im Mordfall Hermannsson nehmen viel Raum ein, weswegen mir dann die Auflösung zu „einfach“ geraten ist.
Besonders gelungen dagegen ist aus meiner Sicht, die Aufarbeitung des Vermisstenfalls und der Blick in Hildurs Vergangenheit.
Da ich keine halben Punkte vergeben kann, bleibt es bei vier (mit der Tendenz nach oben) von fünf Punkten und meiner Leseempfehlung für Band Nr. 2 dieser spannenden Island-Krimi-Reihe.
Fazit: Spannende und unbedingt lesenswerte Fortsetzung der isländischen Krimi-Reihe, die aber sicher noch nicht auserzählt ist! Gern weiter so!

 

Read More
TOP

Arnaldur Indridason: Das dunkle Versteck

Lübbe       NetGalley

Bereits zum fünften Mal „ermittelt“ der pensionierte Kommissar Konrad in der isländischen Hauptstadt Reykjavik.
Im vorherigen Buch der Reihe mit dem Titel „Die Wand des Schweigens“ lernt man Eygló kennenlernt. Sie und Konrad sind gute Bekannte. Ihre Väter waren einst Partner bei sehr zwielichtigen Geschäften, wo sie u.a. leichtgläubigen Menschen bei spiritistischen Sitzungen viel Geld aus der Tasche zogen.
Eygló war früher auch einmal als Medium tätig, weswegen ihr okkulte oder übersinnliche Phänomene nicht fremd sind. Konrad hat mit diesem Metier nichts am Hut. Deswegen erzählt sie ihm auch anfangs nichts von den zwei traditionell gekleideten Frauen, die ihr nach jahrelanger Pause in letzter Zeit mehrfach „erschienen“ sind. Erstmals „gesehen“ hatte sie diese Frauen, als sie mit anderen an einer spiritistischen Sitzung teilnahm. Darunter befand sich auch eine trauernde Mutter, die sich ratsuchend an das Medium gewandt hatte, da sie sich Hilfe bei der Suche nach dem Leichnam ihres ermordeten Sohnes erhoffte….
Die Witwe Halla findet beim Aufräumen in der Garage eine Pistole, die sie noch nie gesehen hat. Sie kann sich auch nicht vorstellen, dass sie ihrem verstorbenen Mann gehörte. Unschlüssig, was sie mit der Waffe tun soll, bringt sie diese dann auf die Polizeiwache, ohne zu ahnen, was für einen „mordsmäßigen“ Fund sie gemacht hat.
Seit dem ersten Buch der Reihe, versucht Konrad den ungeklärten Mord an seinem Vater Seppi vielleicht doch noch aufzuklären. Er wird hellhörig, als er von dem Waffenfund hört. Einst hatte sein Vater auch so ein Fabrikat besessen. Er befasst sich näher mit dem Fund und zieht Erkundigungen ein, was allerdings nicht jedermann gefällt. Es kommt zu lebensbedrohlichen Situationen, in die nicht nur er gerät, sondern auch Menschen aus seinem näheren Umfeld.
Dies sind nur einige Handlungsstränge, aus denen sich „Das dunkle Versteck“ zusammensetzt.
Der Autor erzählt in geschickt sich zusammenfügenden Passagen, die spannende, aber auch nachdenklich machende Geschichte, die teils auch in die Vergangenheit führt.
Die Kriminalromane um Kommissar Konrad zeichnen sich dadurch aus, dass dieser eine ganz besondere Art hat, seinen Mitmenschen Informationen zu entlocken. Durch sein akribisches Nachfragen fördert er so manches Puzzleteilchen an Information zutage. Dies speichert er erst einmal in seinem Gedächtnis ab, denkt darüber nach, zieht Erkenntnisse daraus und löst so manch komplizierten Fall.
Allerdings bekommt die Figur des Kommissars ein paar Risse, da diesmal einige Charaktereigenschaften erkennbar werden, die für einen Polizisten eher grenzwertig sind und mich doch etwas erstaunt haben.
Wer wie ich auch gern einmal „ruhige“ Kriminalromane liest, ist hier bei dieser spannenden Reihe genau richtig. Die anschaulich geschilderten Szenerien, der Einblick ins „Übersinnliche“ und die eisige Landschaftskulisse bescheren einem ab und an eine Gänsehaut, sodass ich hier von wohldosiertem Nervenkitzel sprechen möchte.
Insgesamt vergebe ich hier vier von fünf möglichen Punkten und bin gespannt, wie die Reihe weitergeht.
Fazit: Ruhig erzählter, aber nicht weniger spannender Krimi, der mit anschaulichen Szenerien Nervenkitzel heraufbeschwört!
Read More
TOP

Ragnar Jónasson/Katrín Jakobsdóttir: Reykjavik

btb    NetGalley

Von dem isländischen Schriftsteller Ragnar Jónasson ist mir die spannende Thriller-Trilogie um Kommissarin „Hulda“ und auch die „Dark-Iceland-Reihe“, die mit „Schneeblind“ startet, bestens bekannt.
Katrín Jakobsdóttir ist seit 2017 Premierministerin Islands und mit Ragnar Jónasson seit langem befreundet. „Reykjavik“ ist ihr erster gemeinsamer Roman.
Ein alter „Cold-Case-Fall“ beschäftigt jedes Jahr aufs Neue die isländischen Medien:
Im Sommer 1956 verschwindet die 15-jährige Lara spurlos von der beschaulichen vor Reykjavik liegenden Insel Viðey, wo sie in den Sommerferien als Haushaltshilfe tätig war. Jeder Winkel der Insel wird nach ihr abgesucht, aber es gibt auch nach 30 Jahren keinen Hinweis, wo Lara ist oder was mit ihr geschah.
Und hier kommt 1986 Valur, ein junger, engagierter Journalist ins Spiel, der sich akribisch mit dem Verschwinden von Lara befasst und darüber in einer Lokalzeitung schreibt und mit seiner Sicht der Dinge offenbar jemanden „in Unruhe“ versetzt…
Das Buch liest sich gut. Die Handlung besteht aus zwei Teilen, einzelne Kapitel sind jeweils mit Ort und Datum versehen, sodass das Einordnen keine Schwierigkeiten bereitet.
Die Suche und die jährliche Aufarbeitung in den isländischen Medien, was mit Lara geschehen ist, entwickelt sich langsam, aber spannend, dabei schwebt über der Handlung des ersten Teils eine unheilvolle Atmosphäre.
Alle mitwirkenden Personen und auch die jeweilige zeitgeschichtliche Kulisse sind gut dargestellt, sodass man sich im Geschehen problemlos zurechtfindet.
Im zweiten Teil ändert sich die Erzählperspektive. Leider ebbt dann die Spannung langsam ab, da die Story für mich vorhersehbar wird. Auch manche Szenen empfand ich als unrealistisch, was sich ganz besonders bei der erneuten Suche auf Viðey und dem weiteren Verlauf widerspiegelt, denn ab da verläuft mir alles einfach „zu glatt“. Die gut verborgene Auflösung der Geschichte vermag dies dann auch nicht mehr aufzufangen.
Fazit: Schade, die anfängliche Spannung ebbt ab und die Handlung „wackelt“ an manchen Stellen, daher insgesamt 3 von 5 möglichen Punkten.
Read More
TOP

Satu Rämö: Hildur – Die Spur im Fjord

Heyne
Die Autorin stammt aus Finnland, zog für ein Auslandssemester nach Island, um dort Literatur und isländische Kultur zu studieren. Doch wie das Leben so spielt, lebt sie nun bereits seit 20 Jahren mit ihrer Familie im Nordwesten Islands in der Kleinstadt Ísafjörður, wo auch die Handlung ihres ersten Kriminalromans „Hildur – Die Spur im Fjord“ spielt.
Die Titelfigur Hildur Rúnarsdóttir ist seit einigen Jahren wieder zurück in ihrer alten Heimat und leitet in Ísafjörður als Kriminalbeamtin die Abteilung für vermisste Kinder. Privat hat sie so einige Päckchen zu tragen, weswegen sie zum Ausgleich in jeder freien Minute surft, joggt oder anderen Sport betreibt. Aber manchmal bekommt sie trotzdem den Kopf nicht frei, denn vor 25 Jahren verschwanden ihre zwei jüngeren Schwestern spurlos. Eigentlich sucht sie noch immer nach einer Spur oder einem Hinweis, um die Frage zu klären, was damals geschah.
2019 ist die Kriminalitätsrate in der Kleinstadt nicht besonders hoch und es sind eher kleinere Delikte an der Tagesordnung.
Doch im November 2019 ist diese Beschaulichkeit zu Ende, denn eine gewaltige Lawine begräbt mehrere Sommerhäuser unter sich. Eigentlich wohnt im Winter dort niemand, doch bei den Aufräumarbeiten wird dann in einem der verschütteten Häuser ein Toter entdeckt, der aber nicht durch die Naturgewalt gestorben ist, sondern brutal ermordet wurde..
Im Verlauf gibt es weitere Morde, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, doch Hildurs „Bauchgefühl“ vermutet einen Zusammenhang..
Das Buch liest sich gut. Die mitwirkenden Figuren und die Landschaftskulisse sind gut gezeichnet und nach geraumer Zeit hat man sie direkt vor Augen. Durch das „Vorstellen“ der Mitwirkenden, den Blick in deren Privatleben und die Sitten und Gebräuche des Landes kommt die Kriminalhandlung etwas langsam voran. Anfangs fehlt es mir noch etwas an Spannung, die sich dann zum Ende des Buches aber durchaus steigert. Das Erstlingswerk ist gut gelungen, aber das vorhandene Potenzial noch nicht richtig ausgeschöpft, weswegen ich hier vier von fünf möglichen Punkten vergebe. Da bereits zwei Nachfolge-Bücher mit Hildur angekündigt sind, bin ich gespannt, wie es weitergeht.
Fazit: Das Debüt der Reihe ist gelungen, aber das vorhandene Potenzial noch nicht ausgeschöpft, daher vier von fünf möglichen Punkten!
Read More