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Kristina Ohlsson: Die Tote im Sturm

DAV
Von Kristina Ohlsson habe ich vor vielen Jahren ihren Debüt-Krimi „Aschenputtel“ als Hörbuch genossen, der aber so gar nichts mit Märchen zu tun hatte und man beim Lesen schon starke Nerven brauchte, daran kann ich mich noch erinnern.
Damals und wie auch aktuell hat Uve Teschner die Lesung des Hörbuchs übernommen, der mit seiner angenehmen Stimme den Zuhörer „an die Hand nimmt“ um an die Westküste Schwedens zu reisen, wo die neue Krimi-Reihe der Autorin mit dem Titel „Die Tote im Sturm“ in das beschauliche, idyllisch gelegene Örtchen Hovenäset führt.
Doch die Idylle trügt, das muss auch der „Stockholmer“, wie die Einheimischen den neu zugezogenen Vermögensberater August Strindberg nennen, bald feststellen. Der wollte nach der Trennung von seiner Freundin nur einen Ortswechsel und eine berufliche Veränderung, weswegen er auch das örtliche Bestattungsunternehmen gekauft hat, um dort einen Secondhand-Laden zu eröffnen.
Hinter vorgehaltener Hand wird über diesen Kauf im Ort getuschelt, was August nicht verborgen bleibt, doch er denkt sich nichts dabei, bis man ihn mehrfach darauf anspricht, dass er doch wohl wisse, in was für ein Haus er gezogen sei?
Doch August ist ahnungslos und so richtig erzählen will ihm auch niemand, was es mit dem Haus auf sich hat, doch das ändert sich dann bald, denn….
…..am gleichen Tag, an dem August im Ort angekommen ist, zieht gegen Abend ein Sturm über den kleinen Ort hinweg. Die Lehrerin Agnes Eriksson war noch einmal nach draußen gegangen um etwas zu erledigen, doch sie kommt nicht zurück und bald gilt sie als vermisst.
Eine großangelegte Suchaktion wird eingeleitet, wo Polizei und Freiwillige aus dem Ort jeden Winkel durchsuchen. Auch August schließt an, wo er erste Kontakte knüpft und der Polizistin Maria Martinssons begegnet, die mit einem Kollegen „abkommandiert“ wurde, um die weiteren Ermittlungen voranzutreiben.
Doch Agnes bleibt verschwunden.
Der Zuhörer erfährt durch eingewobene Auszüge aus ihren Tagebuch, dass sie ein Geheimnis verbirgt, dass niemals gelüftet werden darf…
Die Gerüchteküche im Ort fängt an zu brodeln und man zieht Parallelen zu einem alten Kriminalfall, denn vor vielen Jahren verschwandt eine Frau auf ähnliche Weise, die dann bestialisch ermordet aufgefunden wurde. Obwohl der Täter gefasst und bestraft wurde, meinen viele, der wirkliche Mörder von damals wäre noch auf freiem Fuss!
Und was August dann erfährt, kann er kaum glauben, denn in seinem neuen Haus geschah einst gesagter Mord!
Von Anfang an schwebt eine angespannte Atmosphäre über dem Geschehen. Bis die Handlung allerdings richtig in Gang kommt, dauert es etwas. Nachdem Agnes verschwunden ist, wird im Hintergrund zwar nach ihr gesucht, aber der Zuhörer bekommt erst einmal Einblick in das Leben verschiedener Familien und Mitwirkenden, die allesamt ihre „Päckchen“ zu tragen haben, was sie aber geschickt hinter einer Fassade verbergen, die erst peu à peu zu bröckeln beginnt.
Erst im letzten Drittel nimmt die Handlung richtig Fahrt auf und einem stehen die Nackenhaare hoch, was dann alles an gut gehüteten Geheimnissen ans Tageslicht kommt!
Mir hat das Hörbuch gut gefallen, auch wenn man genau zuhören muss, welches Puzzlesteinchen gerade vorgelesen wird, wie z.B.  Agnes Tagebucheinträge, die so spontan anfangen, dass ich mir die Passage noch einmal angehören musste, damit ich sie richtig einordnen konnte. Durch Uve Teschners gekonnte Vortragsweise gelingt das auch weiterhin gut, aber ablenken lassen, sollte man sich nicht.
Anmerken möchte ich auch noch, dass August Strindberg eigentlich nicht ermittelt, so wie es auf dem Cover steht, er gerät eher zufällig an Informationen, die im Verlauf bei der Suche nach Agnes wichtig sind, aber eine Art Privat- oder Hobbydetektiv ist er nicht.
Eine zarte Prise Humor konnte ich entdecken, die die doch recht brisante und auch nervenaufreibende Thematik hier gut vertragen kann.
Fazit: Hörenswert! Dieser Krimi beginnt leise, während die Atmosphäre gleich angespannt und nichts Gutes erahnend über dem Geschehen schwebt. Im letzten Drittel steigt die Spannung und der Schlussakkord lässt einem dann die Nackenhaare hochstehen!
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Tove Alsterdal:  Sturmrot

rowohlt

Mit „Sturmrotstartet die Trilogie um die schwedische Polizistin Eira Sjödin, die aus familiären Gründen ihre Arbeitsstelle von Stockholm zurück in die nordschwedische Region Ådalen verlegt, wo sie aufgewachsen ist.
Man feiert Mittsommer und Olaf Hagström ist aus beruflichen Gründen gerade in der Nähe seines Elternhauses, das er vor langer Zeit verlassen musste und nun spontan einen Abstecher macht, um Sven, seinen alten Vater zu besuchen. Doch irgendetwas scheint nicht in Ordnung zu sein, denn während er das Haus betritt, hört er den Hund hinter der verschlossenen Küchentür winseln, auf sein Rufen erhält er keine Antwort und dann bemerkt er den Gestank, der sich im ganzen Haus ausgebreitet hat. Langsam öffnet er die Badezimmertür unter der Wasser hervorquillt und macht eine grausige Entdeckung: Sein Vater liegt schrecklich zugerichtet, tot in der Badewanne…
Olaf will nur noch eins, so schnell wie möglich weg von hier, wäre er doch nie wieder nach Hause gekommen! Doch ein aufmerksamer Nachbar sieht ihn aus dem Haus stürmen und dann gibt es kein Entkommen mehr, die herbeigerufene Polizei rückt an und er muss Rede und Antwort stehen….
Hier kommt Kommissarin Eira Sjödin ins Spiel. Sie wird zur Unterstützung der örtlichen Polizei abkommandiert um im Ermittler-Team zu arbeiten, das den Mord an Sven Hagström untersucht. Da sie ja in dieser Gegend aufgewachsen ist, kennt sie natürlich auch Olaf Hagström aus ihrer Kindheit und weiß von seinem Geständnis, im Alter von 14 Jahren ein Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben….
In einem Nachwort berichtet die Autorin, dass sich dieser sehr komplexe Kriminalroman aus Fiction und realen Ereignissen inspiriert, zusammensetzt.
Etwas Schwierigkeiten hatte ich mit ihrem Erzählstil, denn sie schwenkt von der Jetztzeit plötzlich gedanklich in die Vergangenheit und wieder zurück oder beleuchtet weitere kriminelle Aktivitäten, örtliche und landestypische Gegebenheiten, so dass man sehr aufpassen muss um den roten Faden nicht zu verlieren.
Schon recht schnell hatte ich eine Vermutung, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt und lag richtig. Obwohl einige Verdächtige in den Fokus der Ermittler rücken, war dann die Auflösung, wer Sven Hagström getötet hat, keine so große Überraschung mehr. Allerdings fand ich die Erklärung für das Warum, etwas dürftig im Gegensatz zu den ausführlich geschilderten Recherchen.
Für mich verliert sich die teilweise recht vorhersehbare Kriminalhandlung in Nebensächlichkeiten und wird auch noch durch das Privatleben der Ermittlerin verkompliziert, weswegen für mich die Spannung etwas auf der Strecke geblieben ist.
Da dies aber der Beginn der Trilogie ist, möchte ich vorerst noch über die erwähnten „Unebenheiten“ hinwegsehen, vergebe drei von fünf Punkten und möchte erst noch abwarten, wie sie sich die Fortsetzungen gestalten und sich die Rahmenhandlung weiterentwickelt.
Fazit: Noch etwas „unrunder“ Start der Trilogie, deren weiterer Verlauf aber erst noch abgewartet werden sollte
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Ben Tomasson: Forsberg und der Tote von Asperö

Droemer VerlagNetGalley  VÖ 01.07.22

Der in Schweden ermittelnde Kommissar Frederik Forsberg hatte in  „Forsberg und das verschwundene Mädchen“ im letzten Jahr seinen ersten „Auftritt“ hier in Deutschland.
Die  kleine Insel Asperö, die idyllisch im Göteburger Schärengarten liegt, wird nun in „Forsberg und der Tote von Asperö“ zum Schauplatz des Verbrechens:
Es sollte ein Überraschungsurlaub werden, den Jessica für ihren Mann Julius, seinen besten Freund Kai, dessen Frau Daniela sowie Steffen und Pia, zwei weitere gute Bekannte von Deutschland aus organisiert hatte. Doch als die Gruppe, die aus unterschiedlichen Richtungen angereist war, vor dem Ferienhaus auf Asperö aufeinandertrifft, wird ihr schnell klar, niemand freut sich wirklich über ihre Einladung um hier in Schweden eine schöne gemeinsame Zeit zu verbringen……
…. warum das so ist, bleibt erst einmal unklar…
Es liegt eine angespannte Atmosphäre über dem Zusammentreffen und so gut es geht, vermeidet man ein gemeinsames Beisammensein, weswegen jeder für sich den Tag gestaltet.
Dieses „Ausweichen“ gelingt nur kurz, denn recht bald wird Julius blutüberströmt und durch unzählige Messerstiche getötet, aufgefunden….
Ab jetzt kommt Kommissar Forsberg ins Spiel, der mit seinem Team den Mord aufklären soll. Kein einfaches Unterfangen, denn offenbar hatte jeder in der Freundesgruppe so sein Problem mit dem Mordopfer, der aber wiederum auch kein so netter Mensch gewesen zu sein scheint….
Neben der Suche nach Julius Mörder, ist in die Gesamthandlung immer mal wieder ein Erzählstrang eingewoben, der vom kleinen Edvin berichtet, der es in seinem Leben nicht ganz leicht hat…
Außerdem gibt es noch wohldosiert einen kleinen Einblick in Kommissar Forsbergs Privatleben, wo die kleine Emma einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt, genau wie ihre Mutter Lea…
Aus diesen drei „Teilen“ hat der Autor einen sehr spannenden, bis zum Schluss nicht vorhersehbaren Kriminalroman geschrieben.
Zwar gibt es Verdächtige zu Hauff in der Handlung, aber durch geschickte Wendungen und einem gelungenen Erzählstil, gelingt es Ben Tomasson jedoch, erst ganz am Schluss die Frage zu beantworten, wer für den Mord an Julius verantwortlich ist! Das hat mir gut gefallen und ist meiner Ansicht nach ein großer Pluspunkt und spricht für einen gelungenen Kriminalroman. Das Buch liest sich gut und fesselt von der ersten Seite an, so dass ich gern noch weitere Fälle mit Kommissar Forsberg lesen würde und meine Leseempfehlung ausspreche sowie die volle Punktzahl vergebe!
Fazit: Fesselnd, wendungsreich und unvorhersehbar! So darf die Reihe gern weitergehen!
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Anna Jansson: Leichenschilf

DAV

Die schwedische Autorin ist keine Unbekannte in Sachen Spannung, hat sie doch die erfolgreiche Krimi-Reihe„Maria Wern, Kripo Gotland“ geschrieben, die ich zwar nicht gelesen habe, dafür aber die sehenswerten Verfilmungen alle kenne.
In „Leichenschilf“ schickt Anna Jansson einen neuen Ermittler „in den Ring“.
Er heißt Kristoffer Bark und er arbeitet bei der Polizei in Örebro, wo er sich mit „Cold-Case-Fällen beschäftigt.
Leider gehört auch zu den ungelösten Fällen das spurlose Verschwinden seiner Tochter Vera. Es sind bereits fünf Jahre vergangen seit sie ausgelassen ihren Junggesellinnenabschied feierte.  Zuletzt wurde sie beim Hinausrudern auf dem Hjälmaren-See gesehen, danach verliert sich ihre Spur. Doch Kristoffer Bark kann sich mit dem Verschwinden seiner Tochter nicht abfinden und immer wieder aufs Neue läuft er am Ufer des Hjälmaren lang…. Jahr um Jahr vergebens, doch dann findet er eine weibliche Leiche….
Nach einer nervenaufreibenden Wartezeit steht dann fest, dass es sich nicht um seine Tochter handelt, sondern eine junge Frau namens Camilla, die vor ca. zwei Jahren verschwand. Die Ähnlichkeit zwischen Camilla und Vera fällt Kristoffer Bark sofort auf. Es gibt auch noch weitere Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Frauen, weswegen für Bark feststeht, dass beide Fälle zusammengehören, was es zu beweisen gilt und er die Hoffnung nicht aufgibt, auch den Verbleib seiner Tochter endlich aufzuklären…
Die Lesung der ungekürzten Hörbuchversion haben Vanida Karun und Achim Buch übernommen, was stimmlich gut passt und durch ihre nuancierte Vortragsweise kann man der doch recht komplexen und verschachtelten Story gut folgen.
Allerdings waren es für meinen Geschmack einfach zu viele Mitwirkende, die sich hier im Geschehen tummeln. Sie haben zwar alle ihr Päckchen zu tragen, doch Sympathiepunkte konnte ich für keinen vergeben.
Die Gesamthandlung entwickelt sich langsam aus unterschiedlichen Puzzlesteinchen, so dass es teilweise etwas undurchsichtig wird. Es schwebt eine düstere, teils auch unheimliche Atmosphäre über der Szenerie. Obwohl die Autorin immer wieder Verdachtsmomente aufkommen lässt und mehrere Personen in den Fokus der Ermittler rücken, etwas mit dem Tod von Camilla zu tun zu haben, hatte ich doch recht bald eine Idee in welche Richtung die Lösung dieses Kriminalfalls geht und lag richtig, so das der „Twist“ am Schluss für mich keine Überraschung mehr war. Überbewerten möchte ich das aber nicht und da dies ein „Neustart“ ist, auch erst einmal abwarten, wie sich die Fortsetzung der Reihe entwickelt, zumal die Umsetzung der Hörbuchversion gelungen und hörenswert ist!
Fazit: Komplexe, wendungsreiche Story, die aber durch viele Mitwirkende etwas undurchsichtig wird. Die beiden gut gewählten Sprecher Vanida Karun und Achim Buch zeigen ihr Können, lassen schnell Atmosphäre aufkommen und lesen stimmlich nuanciert, so dass das Einordnen gut gelingt, weswegen die Hörbuchversion gelungen und hörenswert ist!
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Arne Dahl: Null gleich Eins

Osterwold audio

Der letzte Einsatz des schwedischen Ermittler-Duos Molly Bloom und Sam Berger in „Vier durch Vier“ ist bereits zwei Jahre her. Nun hat das lange Warten ein Ende und mit „Null gleich Eins“ ist nun der fünfte und wohl auch letzte Teil der Krimi-Reihe erschienen.
Peter Lontzek hat die Lesung der Hörbuchfassung übernommen, was gut passt. Da ich bei einer Buchpräsentation nicht nur Arne Dahl, sondern auch Peter Lontzek live erleben durfte, verbinde ich seine Stimme mittlerweile sofort mit den Krimis des schwedischen Autors.
Nachdem zuletzt Molly Bloom für einige Monate abgetaucht war und Sam Berger psychisch in einem desolaten Zustand dahinvegetierte, hat die Geburt ihrer gemeinsamen Tochter zumindest hier die Wogen geglättet und obwohl immer noch ihr Beziehungsstatus „ungewiss“ ist, sorgen sie gemeinsam für die Kleine und arbeiten als Team als Berater in Sicherheitsfragen.
Hatte im letzten Teil Bergers ehemalige Kollegin und beste Freundin Polizeihauptkommissarin Desiré Rosenkvist, genannt Deer, ein schweres Schicksal ereilt, kämpft sie nach monatelanger Reha zwar immer noch mit starken Schmerzen, lässt sich durch ihre körperlichen Einbußen aber nicht unterkriegen. Obwohl man sie vorerst nur im Innendienst einsetzt, treibt sie die Suche nach ihrem Peiniger an. Innerlich unzufrieden mit ihrem Schreibtisch-Job, wälzt sie alte, aber auch aktuelle Akten und stößt dabei auf Morde, die zwar auf den ersten Blick keinen Zusammenhang bilden, doch Deer ist sich sicher, hier treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der an jedem 5. des Monats eine Leiche an einem Strand ablegt. Obwohl sie mit ihrem Verdacht bei ihrem Chef auf taube Ohren stößt und er ihr weitere Ermittlungen untersagt, lässt sie nicht locker und wendet sich mit ihrem Verdacht an Berger und Bloom, die sie dann für weitere Nachforschungen engagiert….
Bloom und Berger tauchen dann in eine komplexe, undurchsichtige und ganz besonders bizarre Handlung ein, die sich aus vielen kleinen Puzzlesteinchen nach und nach dem Leser/Zuhörer erschließt und die beiden einmal mehr in gefährliche Situationen katapultiert…..
Man muss schon gut zuhören um diese Gesamthandlung zu durchschauen/verstehen, denn diese wird aus unterschiedlichen Perspektiven und von verschiedenen „Figuren“ erzählt, wobei man besonders auf die des „jungen Mannes“ achten sollte um einen wichtigen „Faden“ aufzugreifen. In welche menschlichen Abgründe Arne Dahl seine Leser/Zuhörer hier führt, möchte ich nur stichwortartig aufzählen: Kaum vorstellbare medizinische Experimente, wo z.B. Personen bei lebendigem Leibe in Stickstoff eingefroren werden….Grrrrrh  – Gänsehaut-Szenerien.
Peter Lontzeks angenehme Stimme und Vortragsart helfen gut dabei, diese Szenerien „zu verdauen“ und bei der komplexen Handlung nicht den roten Faden zu verlieren, so dass die Spannung aufrecht gehalten wird. Auch wenn sich Bloom und Berger verabschieden, lässt der Autor hier zum Ende hin einen „alten Bekannten“ auftauchen, der ja vielleicht für eine neue „Team-Bildung“ zur Verfügung steht und man auf den nächsten Krimi-Band gespannt sein darf.
Fazit: Keine einfache Krimi-Kost, die thematisch in menschliche Abgründe führt und für Gänsehaut sorgt!
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Johanna Mo: Finsterhaus

Heyne

Im August letzten Jahres habe ich das Debüt der Reihe mit dem Titel „Nachttod“ gelesen, wo die Polizistin Hanna Duncker sich auf ihre Heimatinsel Öland hatte versetzten lassen und im Revier in Kalmar ihren Dienst antritt. Ihren dortigen Vorgesetzten kennt sie bereits aus ihrer Jugend, denn Ove Hultmark war der Ermittler, der ihren Vater vor über 15 Jahren wegen Mordes hinter Schloss und Riegel gebracht hatte.
Hanna bildet mit Erik Lindgren ein etwas ungleiches Team, das sich erst einmal „finden“ muss. Besonders Hanna ist nicht gut in zwischenmenschlicher Kommunikation im Gegensatz zu Erik. Sie hat aber auch mit Anfeindungen wegen ihrer familiären Vergangenheit zu kämpfen, weswegen sie einen etwas schwierigen Start in der Handlung hat.
Obwohl ich mit der „Figur“ Hanna auch noch so meine Schwierigkeiten hatte und die Handlung eher in Richtung Sozialdrama eingestufte, fand ich das Debüt lesenswert und wollte die angekündigte Fortsetzung der Reihe abwarten.
Die ist nun mit „Finsterhaus“ erschienen:
Anfänglich ist Hanna mit dem „Fall“ ihres verstorbenen Vaters beschäftigt, dessen Ermittlungsakten sie nun einsehen kann. Ein alter Freund ihres Vaters hatte sie durch eine Bemerkung aufhorchen lassen, weswegen sie die Akten ganz genau überprüfen will…
Doch das muss erst einmal warten, denn das Team hat einen neuen Fall:
Der 43jährige Thomas Ahlström und sein 14 Monate alter Sohn Hugo werden von der Ehefrau/Mutter als vermisst gemeldet. Sie kam zurück aus Göteburg und ihr Mann wollte sie gemeinsam mit dem kleinen Hugo von der Bahn abholen, doch die beiden tauchten nicht und es fehlt seitdem jede Spur von ihnen….
In einer großangelegten Suchaktion von Polizei und einer großen Gruppe von Freiwilligen wird jeder Stein umgedreht um Vater und Sohn zu finden….
Aus unterschiedlichen Perspektiven wird der Leser mitgenommen um nach den Vermissten zu suchen. Gleich zu Beginn des Buches gibt es eine eigenständige Sichtweise, die die Autorin mit „Der letzte Tag“ überschrieben hat, die dann ab und an in die Gesamthandlung eingewoben ist, so dass man letztendlich am Schluss genau erfährt, was sich zugetragen hat. Bis es soweit ist, dauert es etwas und eine Reihe von Verdächtigen rücken in den Fokus der Ermittler.  Auch Thomas Ahlström scheint ein paar Geheimnisse gehabt zu  haben, die es aufzudecken gilt und die zu einem leerstehenden Haus führen…
Insgesamt hat die „Figur“ der Hanna positive Fortschritte gemacht. Das Buch liest sie gut und die Geschichte wird spannend und wendungsreich erzählt. Nur die Suche nach den Vermissten gestaltet sich zeitweise etwas zäh und verdrängt die anfängliche Aufarbeitung von Hannas „privaten Ermittlungen“. Aber ich gehe davon aus, da noch eine Fortsetzung geplant ist, dass die Autorin sich dies dann für das nächste Buch aufgehoben hat.
Obwohl die Autorin kleine Infos zur vorherigen Rahmenhandlung im aktuellen Buch eingestreut hat, kann ich nur jedem Leser empfehlen, die Reihe von Beginn an zu lesen, dann kann man die Zusammenhänge noch viel besser nachvollziehen.
Da sich das Abwarten gelohnt hat und die Hauptfigur sich positiv entwickelt hat, vergebe ich hier vier von fünf möglichen Punkten und bin gespannt wie es weitergeht!
Fazit: Deutliche Steigerung zum Debüt, so dass man gespannt sein darf, wie es weitergeht!
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Tina Frennstedt: COLD-CASE – Das gebrannte Kind

Lübbe

Die Autorin arbeitet als Kriminalreporterin für das schwedische Fernsehen und ihr Hauptaugenmerk richtet sich auf Kriminalfälle, die nie aufgeklärt wurden.
Das gebrannte Kind“ ist mittlerweile der dritte Einsatz der schwedischen Kommissarin Tess Hjalmarsson, die das Cold-Case-Team leitet.
Durch eine aktuelle Brandserie, wo Häuser lichterloh brennen und es bereits zu vier Toten gekommen ist, wird das Cold-Case-Ermittler-Team anfangs noch „abkommandiert“ um bei den umfangreichen Ermittlungen die zuständige Abteilung zu unterstützen. Alle Brände scheinen zusammenzuhängen, denn es finden sich an sämtlichen Tatorten manipulierte Rauchmelder und auffällige Markierungen an den Überresten der Gebäude. Die Ermittler haben alle Hände voll zu tun und Verdächtige gibt es einige, aber eine richtige „heiße“ Spur fehlt, bis eine Überlebende berichtet, dass sie kurz vor Ausbruch des Feuers Musik im Haus gehört hat…
…. und genau dieses Detail erinnert Tess an einen 15 Jahre zurückliegenden Fall, der nie aufgeklärt wurde, wo eine junge Mutter bei einem Brand ums Leben kam. Großes Glück hatte ihr fünfjähriger Sohn, der das Feuer überlebte und auch er berichtete damals von Musik, die er im Haus gehört hatte …
Ob es einen Zusammenhang zwischen den aktuellen Bränden und dem 15 Jahre alten Fall gibt, heißt es nun für das Cold-Case-Team herauszufinden…
Neben den umfangreichen Befragungen zu den Kriminalfällen gibt es auch einen Handlungsstrang, der Einblick ins Privatleben der Kommissarin gibt, wo es auch zu einigen Turbulenzen kommt…
Genau wie bereits bei „Das verschwundene Mädchen“, und „Das gezeichnete Opfer“ sowie im aktuellen Buch sind die Handlungen fiktiv, beruhen aber zum Teil auf Parallelen zu realen Ereignissen und Kriminalfällen.
Über der Gesamthandlung schwebt eine angespannte Atmosphäre. Bis der eigentliche „Kriminalfall“ so richtig in Gang kommt, muss man sich allerdings etwas gedulden und wird mit vielen Personen konfrontiert, die alle zu den Bränden befragt werden müssen.  Durch den angenehmen Erzähl-Stil der Autorin kann man die vielen „Mitwirkenden“ aber gut unterscheiden und richtig einordnen und findet sich auch in den unterschiedlichen Zeitebenen gut zurecht.
Im letzten Drittel nimmt die Geschichte dann richtig Fahrt auf. Als aufmerksamer Leser ahnt man allerdings recht schnell, wer hier für die „Brandspur“ verantwortlich ist und dann auch in den Fokus der Ermittler rückt. Bis es allerdings zum nervenaufreibenden Showdown kommt, krönt die Autorin diesen Kriminalroman noch mit einem Twist, den man nicht vorhersehen konnte, was mir gut gefallen hat, weshalb ich hier insgesamt vier von fünf möglichen Punkten vergebe.
Fazit: Gute und spannende Unterhaltung sind hier garantiert! Bitte weiter so!
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Hanna  Svensson – Blutsbande – Staffel 2

EdelMotion VÖ 03.12.21

Zwei Jahre hat es gedauert bis nun endlich die spannende Serie um die Stockholmer Polizistin „Hanna Svensson“  mit acht neuen Folgen weitergeht bzw. Staffel 2 auf DVD fürs Heimkino erschienen ist.
Staffel 1 – die ja mit dem Tod des einflussreichen Clan-Chefs Davor Mimica endet,  sollte man zum besseren Hintergrundverständnis der aktuellen Staffel schon kennen, damit man die Geschehnisse auch richtig einordnen kann.
Christian (Adam Pålsson), dem Sohn von Hanna Svensson (Marie Richardson), war es ja „undercover“ gelungen sich durch einen Job als Hilfskraft im Restaurant der Familie Mimica unentbehrlich zu machen und dann auch noch mit Blanka, der Schwester des Clan-Chefs anzubandeln. Durch seine Informationen konnten viele der kriminellen „Geschäfte“ der Mimicas von der Polizei vereitelt werden.
Der Familie Mimica wird bald klar, dass es Christian war, der die Information an die Polizei weitergegeben hat, weswegen sie auf Rache sinnen und er bald in höchster Lebensgefahr schwebt. Er taucht mit Blanka in der Karibik unter…
Durch den Tod von Davor Mimica ändern sich die Machtverhältnisse im Milieu und eine gut organisierte Gruppe von korrupten, machthungrigen und landesweit agierenden Polizisten, die sich „Der Ring“ nennt,  zieht neuerdings im Verborgenen ihre Fäden, wo Drogen- und Waffenhandel an der Tagesordnung sind und auch vor Mord und Totschlag nicht Halt gemacht wird.
Während Hanna ihren Sohn in Sicherheit wähnt, sucht sie nach einem Leck in den eigenen Reihen, das bereits in Staffel 1 existierte und so wertvolle Informationen an die Mimica flossen…
Die acht neuen Folgen haben es wieder in sich: Während Hanna fast auf sich alleingestellt ist – nur ihr zuverlässiger Kollege Björn ist stets an ihrer Seite – hat sie es sich auf die Fahnen geschrieben, dass sie ein für alle Mal der Familie Mimica das Handwerk legen will, damit ihr Sohn wieder nach Schweden zurückkehren kann. Doch ob ihr das wirklich gelingt, bleibt dahingestellt, denn viel mächtiger sind die Mitglieder des „Rings“, die es nun zu enttarnen und zu stoppen gilt, um dann der  ganzen Organisation den „Garaus“ zu machen….
Tatsächlich habe ich wieder alle acht Folgen am Stück angesehen, denn einmal angefangen, ist man ganz schnell im Geschehen gefangen und will nur eins, wissen wie es weitergeht….
Ich vergeben hier die volle Punktzahl für Spannung, Wendungsreichtum, schauspielerische Besetzung und großem Unterhaltungswert!
Fazit: Hält das Niveau der ersten Staffel, ist spannungsgeladen, wendungsreich und schauspielerisch exzellent besetzt!
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