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Schwiecker/Tsokos: Der 1. Patient

Knaur Verlag          NetGalley

Mittlerweile ist der „Der 1. Patient“ der vierte Justizkrimi, den die beiden Autoren gemeinsam geschrieben haben und Strafverteidiger Rocco Eberhardt und Rechtsmediziner Justus Jarmer wieder ihren Auftritt haben.
Der lesenswerte dritte Band der Reihe mit dem Titel „Die letzte Lügnerin“ hatte es im letzten Jahr in sich: Ein hochrangiger Politiker suchte rechtlichen Beistand in Rocco Eberhardts Kanzlei, da er ins Fadenkreuz der Medien geraten war, wo er sich schwerwiegenden Korruptionsvorwürfen ausgesetzt sah. Eberhardt übernahm das Mandat, ohne zu ahnen, was für ein persönlicher Fall es für ihn werden sollte…
Nach den auch emotionalen Ereignissen in der nahen Vergangenheit ist Rocco Eberhardt nach einer gewissen „Auszeit“ nun mit einem neuen Fall beschäftigt. Seine Mandantin ist die Chirurgin Dr. Sasha Müller, die als Chefärztin in einem Berliner Klinikum arbeitet. Sie wendet sich an den Strafverteidiger, weil ihr bei einer Routine-Op ein Patient gestorben ist. Sie kann sich die Komplikationen während der Operation nicht erklären, da sie sich streng an den Behandlungsplan gehalten hat. Doch das besondere an diesem Behandlungsplan ist, dass er nicht von der Operateurin selbst, sondern von einem KI-System, also einer künstlichen Intelligenz erstellt wurde.
Das vorliegende Obduktionsergebnis ist eindeutig: Der Tod des Patienten trat infolge eines Behandlungsfehlers auf. Deswegen muss sich Dr. Müller jetzt vor Gericht verantworten. …
War es menschliches Versagen oder hat sich gar die KI geirrt?
Das Thema „KI in der Medizin“ ist am Puls der Zeit. Worum es sich dabei handelt, wird hier von den beiden Autoren von allen Seiten betrachtet bzw. gut und verständlich erklärt, sodass man der Handlung gut folgen kann.
Anmerken möchte ich aber: Obwohl sehr umfangreich nach der Lösung gesucht wird, wer hier für den Tod des Patienten zur Rechenschaft gezogen werden muss, fiel mir ein Aspekt auf, dem nicht weiter nachgegangen wurde, bzw. erst am Schluss zum Tragen kommt. Tatsächlich lag ich damit richtig, sodass mich der Ausgang des Geschehens dann nicht mehr überrascht hat.
Dennoch ist der Justizkrimi gut gelungen, unterhaltsam und lesenswert, weswegen ich insgesamt vier von fünf möglichen Punkten vergebe.
Fazit: Thematisch am Puls der Zeit, gut gelungen, unterhaltsam und lesenswert!
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Viveca Sten: Tief im Schatten

Der-Audio-Verlag

Der zweite Fall für Hanna Ahlander

Im Oktober 2022 startete mitKalt und still“ die neue Krimi-Reihe der schwedischen Autorin Viveca Sten, die in den kleinen Ort Åre in Nordschweden führt.
Vera Teltz hatte die Lesung der Hörbuch-Version übernommen, was eine sehr gute Wahl war, denn durch ihre angenehme Stimme und ihre Vortragsart wurde die fesselnde Handlung lebendig. Auch das neue Ermittler-Duo Hanna Ahlander und Daniel Lindskog kam bei mir gut an, weswegen ich den Start der Reihe als gelungen eingestuft habe.
 Winterliche Straßenverhältnisse und eisige Temperaturen erschweren dem Ermittler-Duo in „Tief im Schatten“ das Vorankommen, denn sie werden zu einem Leichenfund in der Nähe der norwegischen Grenze gerufen. 
Zu meiner großen Freude hat Vera Teltz wieder die Lesung des Hörbuchs übernommen.  Ihr gelingt es schon nach wenigen Worten, die passende Atmosphäre aufkommen zu lassen, dass man die Mitwirkenden wiedererkennt und es keine Mühe bereitet, in die fesselnde Handlung „einzusteigen“.
Der Anblick, der sich ihnen am Fundort bietet, ist grauenhaft. Eine schneebedeckte männliche Leiche liegt nur spärlich bekleidet in einem Gebüsch. Die Hände sind auf dem Rücken mit Kabelbindern fixiert.  Eine große klaffende Wunde am Hinterkopf und weitere Spuren von großer Gewaltanwendung sind sichtbar.
Dies ist ein Erzählstrang der Gesamthandlung, ein weiterer führt zu Rebecca, einer jungen Frau, die in einer religiösen Familie aufwächst und in deren weiteren Lebensweg man als Zuhörer immer mal wieder Einblick erhält. Doch dann muss etwas Gravierendes geschehen sein, denn von einem Tag auf den anderen erscheint sie nicht mehr zur Arbeit und jede Kontaktaufnahme mit ihr scheitert…
Mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht preisgeben, denn dazu ist die Gesamthandlung einfach zu fesselnd und spannend und die Lesung besonders hörenswert!
Die Geschichte, die die Autorin hier erzählt, ist keine leichte Kost. Die bildhaft geschilderten Szenerien zeigen befremdliche Situationen, bewegende Momente und verstörende Bilder, die einen erstarren und die Nackenhaare hochstehen lassen, denn hier liegen Glück, Leid und Hass ganz dicht beieinander.
Immer mal wieder gab es Momente, wo ich dachte, jetzt weiß ich, wer hier von den Ermittlern gesucht wird. Aber ich lag falsch, denn Viveca Sten ist eine meisterhafte Geschichtenerzählerin und überrascht dann auch noch mit einem unerwarteten Showdown bzw. Ausgang der Handlung! Toll, dafür gibt es die volle Punktzahl!
Vera Teltz besondere Vortragsweise lässt einen die Zeit vergessen. Es gelingt ihr, ihre Stimme so zu nuancieren, dass man die eiskalte Kulisse direkt spüren kann. Außerdem bekommen die Figuren „ein Gesicht“, welches man in der nervenaufreibenden Handlung sofort wiedererkennt und das Kopfkino beginnt!
Fazit: Gelungene spannungsgeladene Fortsetzung der Reihe, die durch die Hörbuchfassung noch ein „Sahnehäubchen“ obendrauf bekommt!
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