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Sophie Czerny: Totensee

Droemer/Knaur       Net-Galley

Die Autorin lebt in Wien und dort ist auch ihr Debütthriller „Totensee“ angesiedelt:
Bevor ich einen kleinen Einblick ins Geschehen gebe, möchte ich anmerken, dass die Thematik und auch die bildhaft geschilderten Szenerien nichts für Zartbesaitete sind, denn was man hier zu lesen bekommt ist echt „hard stuff“.
Ada Sabel ist Kommissarin beim LKA Wien und seit geraumer Zeit vom Dienst suspendiert. Sie ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und total verzweifelt, denn seit 145 Tagen sucht sie unablässig nach ihrer 14 Jahre alten Tochter, doch niemand glaubt ihr, dass Mara nicht wegen des heftigen Streits den sie beide hatten, einfach weggelaufen ist, sondern entführt wurde.
So wie die Dinge bei ihr beruflich gerade liegen, kann sie kaum auf Hilfe bei der Suche nach Mara hoffen, daher beginnt Ada auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei läuft sie in einem recht auffälligen Outfit durch Wien, treibt sich in verruchten Bars herum und fährt in der Dunkelheit im Prater bis zur Erschöpfung Hochschaubahn (Achterbahn).
Dann wird im Donaukanal eine Leiche entdeckt, der zwar der Kopf fehlt, dafür aber drei eingeritzte Buchstaben auf dem Rücken trägt: ADA 
Ada interpretiert dies als Botschaft von Maras Entführer…
Durch die durchwachten Nächte – immer in der Hoffnung auf ein Lebenszeichen von ihrer geliebten Tochter – ist sie nach fünf Monaten seelisch und körperlich total am Ende. Sie ist selbstzerstörerisch, was sich in den teils noch blutenden Verletzungen und Narben an ihrem Körper widerspiegelt. Doch es sind nicht nur die aktuellen Wunden, die ihr zu schaffen machen. Im Verlauf muss sie sich ihrer traumatischen, tief vergrabenen und verdrängten Vergangenheit stellen.
Die Gesamthandlung setzt sich wie aus Puzzleteilchen zusammen, die man nach und nach richtig einordnen kann, was mir keine Mühe bereitete. Nur mit der Hauptfigur Ada Sabel habe ich mich schwergetan. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie jemand mit so einer traumatischen Vergangenheit, die sie offenbar bis zum Verschwinden ihrer Tochter verdrängt hat, als Ermittlerin bei der Polizei arbeiten konnte. Aber das verbuche ich mal unter schriftstellerischer Freiheit.
Alles in allem liest sich der Thriller gut, nur die Thematik ist schwer verdaubar und sicherlich nur für nervenstarke Thriller-Fans geeignet. Der Autorin ist es gut gelungen, den Spannungsbogen von Anfang bis Ende zu halten, lässt dabei aber die Leserschaft tief in menschliche Abgründe schauen.
Die Figuren sind gut gezeichnet und die Szenerien bildhaft und nervenaufreibend, sodass einem dann und wann die Nackenhaare hochstehen. Inhaltlich fanden sich für meinen Geschmack noch ein paar „Wackler“, doch da dies ein Debüt ist, möchte ich noch abwarten, wie die Reihe sich weiterentwickelt und vergebe insgesamt vier von fünf möglichen Punkten.
Fazit: Hier braucht man starke Nerven, doch alles in allem ist das Debüt gelungen und man darf gespannt sein, wie es weitergeht!
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