Piper Verlag
Im März 2025 erschien „Das ungezähmte Tier“ von Joel Dicker. Titelgebend war bei diesem spannungsgeladenen Roman ein menschliches Wesen und inhaltlich ging es um einen Blick hinter die Fassaden des schönen Scheins.
Durch den aktuellen Titel seines neuen Romans „Der äußerst katastrophale Ausflug in den Zoo“ könnte die Vermutung naheliegen, dass es sich um eine Fortsetzung des zuerst erwähnten handelt, dem ist aber nicht so, das kann ich schon mal verraten.
Diesmal hat sich der Autor überlegt – wie man im Epilog erfährt – „ein Buch zu schreiben, das alle Lesenden von sieben bis hundertzwanzig Jahren zusammenbringt und verbindet“.
Was mir zuerst aufgefallen ist, dass es sich nicht um so ein seitenstarkes Buch handelt, wie man es sonst von Joel Dicker kennt! Doch man sollte sich davon nicht täuschen lassen, denn bekanntlich kommt es ja auf den Inhalt an und der hat es in sich:
Aus dem Prolog erfährt man, dass sich „Der äußerst katastrophale Ausflug in den Zoo“ schon vor einigen Jahren ereignet hat. Zwar erinnert sich jeder im Ort immer noch an das Ereignis, aber was sich dort genau zugetragen hat, das wissen nur wenige. Daher hat sich die einstige Schülerin Joséphine, die bei dem Ausflug dabei war und alles hautnah miterlebt hat, dazu entschlossen, darüber zu erzählen:
Ich besuchte die „Schule der Grünspechte“, die Förderschule des Ortes. Ich habe diese Schule sehr gern besucht und mochte ganz besonders unsere supertolle Lehrerin Mademoiselle Jennings. Außerdem hatte ich noch fünf Klassenkameraden, die ich hier kurz namentlich erwähnen möchte:
Artie, Thomas, Otto, Giovanni, Yoshi,
Und zu guter Letzt, noch ein paar Worte zu mir selbst:
Ich bin Joséphine, mein Berufswunsch war damals Schimpfwörtererfinderin zu werden..
Tagein, tagaus gehen die sechs in ihre kleine Förderschule bis dann eines Morgens die Feuerwehr vor Ort ist und der Unterricht ausfällt. Durch einen großen Wasserschaden ist die Schule nicht mehr nutzbar. Die Förderschulklasse zieht in die benachbarte reguläre Schule um.
Im Verlauf werden die sechs Schüler zu kleinen Detektiven, die unbedingt herausbekommen wollen, wie es überhaupt zu dem Wasserschaden hat kommen können bzw. wer der Verursacher war.
Was das aber alles mit der im Titel erwähnten Katastrophe und dem Zoobesuch zu tun hat, verrate ich hier nicht.
Dem Autor ist es wunderbar gelungen, die Handlung aus Sicht der jungen Schülerin Joséphine zu erzählen. Es wird turbulent, es herrscht reges Treiben und es kommt auch zu chaotischen Situationen. Ganz besonders die kindliche Erzählweise mit den charmanten Überlegungen, wer für den Wasserschaden verantwortlich ist, sorgt für reichlich Situationskomik, was mir gut gefallen hat.
Die Figuren sind gut gezeichnet, sodass man sie direkt vor Augen hat. Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert und habe den kleinen Detektiven bei ihrer Spurensuche gern über die Schulter geschaut.
Einmal mehr hat Joel Dicker bewiesen, was für ein toller Geschichtenerzähler er ist. Sein Vorhaben, ein Buch für Jung und Alt zu schreiben ist ihm wirklich gut gelungen. Ich vergebe die volle Punktzahl für diesen durchaus spannenden und mit viel Charme und Humor verfeinerten Roman und spreche meine Lese-Empfehlung aus.
Fazit: Mal ein etwas anders aufgemachter Roman, der aber durchaus spannend ist und zusätzlich mit sehr viel Herz, Charme und Humor punkten kann!