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Donato Carrisi: Ich bin der Abgrund

Atrium Verlag

Vor ein paar Jahren habe ich das erste Buch aus der Feder des italienischen Autors Donato Carrisi, den Thriller „Der Nebelmann“ gelesen. Seine wunderbare Art spannende Geschichten zu erzählen, aber auch ganz besonders das Buch sind mir im Gedächtnis geblieben, genau wie einige Zeit später dann sein Thriller „Diener der Dunkelheit“. Beide Bücher sind mittlerweile starbesetzt verfilmt worden.
Nun möchte ich seinen aktuellen Thriller „Ich bin der Abgrund“ vorstellen, der mich von der ersten Seite an gefesselt, die Nackenhaare hat hochstehen lassen und nach der „Anmerkung des Autors“, dass die Handlung von wahren Ereignissen inspiriert wurde, erst einmal innehalten hat.
Bevor ich etwas genauer auf den Inhalt eingehe, muss ich anmerken, dass die Thematik hier schon „hard stuff“ ist und „unter die Haut“ geht, weswegen sie nicht für jedermann geeignet ist, denn es dreht sich hier um unterschiedliche Arten von Missbrauch, sei es nun körperlich oder auch seelisch. Dem Autor ist es zwar gelungen wohl dosiert und nie ins Detail gehend die verstörenden Szenerien zu schildern, aber nichtsdestotrotz durchlebt man hier eine Achterbahn der Gefühle, fragt sich auch, wer hier eigentlich Opfer oder Täter ist:
Die Gesamthandlung ist in der schönen Landschaftskulisse des Comer Sees in Italien angesiedelt. Doch die trügt!
Anfangs gerät ein fünfjähriger Junge in akute Lebensgefahr. Dann „taucht“ dieser als junger Erwachsener in der Handlung wieder auf. Er ist ein Müllmann, der gern allein arbeitet und gern für sich ist, denn Menschen mag er nicht sonderlich gern, weswegen er sich unauffällig verhält um nicht aufzufallen. Sein Tag ist durchstrukturiert und von Routine geprägt.
Diese Tristesse wird jäh unterbrochen, als er eher unfreiwillig ein 13jähriges Mädchen, das eine auffällige lila Haarsträhne trägt, vor dem Ertrinken aus dem See rettet. Nach der Einlieferung ins Krankenhaus wird bei dem Mädchen ein Stück rotlackierter Fingernagel entdeckt….
Die Begegnung dieser beiden Menschen, ist ein wichtiger Bestandteil des weiteren Geschehens, wo man Einblick in ihrer beider Leben und Leiden bekommt…
In einem anderen Erzählstrang wird ein Leichenteil im Wasser des Comer Sees entdeckt, das sich als Frauenarm „entpuppt“, an dessen Hand ein rotlackierter Fingernagel abgebrochen ist…
Aus diesen Puzzlesteinchen hat der Autor einen sehr spannenden, nervenaufreibenden und bewegenden Thriller zusammengesetzt, der in den „Abgrund“ der menschlichen Seele blicken lässt. Besonders gefallen hat mir, wie sensibel Donato Carrisi mit dem brisanten Thema umgegangen und wie meisterhaft es ihm gelungen ist, daraus einen dermaßen spannenden Thriller zu schreiben! Nervenstarken Thriller-Fans kann ich dies Buch nur empfehlen.
Fazit: Dieser meisterhaft gelungene Thriller geht unter die Haut, ist spannend, nervenaufreibend und wirkt noch lange nach!
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Romy Fölck: Nebelopfer

Lübbe

Dies ist bereits der fünfte Fall für das Ermittler-Team Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn, die für die Kriminalpolizei in Itzehoe arbeiten. Ich begleite dieses Team seit dem ersten Buch „Totenweg“, wo Frida als junge engagierte Polizistin ihren Dienst antrat und Bjarne, der erfahrene Kriminalhauptkommissar sie unter seine Fittiche nahm. Im Verlauf der Reihe bilden sie ein tolles und erfolgreiches Team. Der Blick ins Privatleben der Ermittler bildet die Rahmenhandlung, so dass man zwar „Nebelopfer“ ohne Vorkenntnisse lesen kann, da der Kriminalfall abgeschlossen wird, doch zum besseren Verständnis, warum Frida mit ihrem Freund Torben gerade eine schwer Zeit durchläuft und Bjarne mit seiner erwachsenen Tochter Henni zusammenlebt, kann ich nur jedem empfehlen, diese spannungsgeladene Krimi-Reihe von Beginn an zu lesen.
Die Autorin hat einen sehr fesselnden Erzählstil, wo sie ihren Lesern aber auch sehr bildhaft die Szenerien schildert, die in den Kriminalfällen auftauchen, so wie im aktuellen Fall:
Es ist neblig draußen an diesem 1. Februar, als man einen männlichen Leichnam an einem seit alters her bekannten Galgenbaum hängend, entdeckt. Um den Hals trägt er ein Pappschild mit einer handgeschriebenen Botschaft, die Frida und Bjarne Rätsel aufgibt. Dort steht: Justitia ist blind! Ich gestehe, im Prozess gegen Cord Johannsen falsch ausgesagt zu haben…
Bjarne Haverkorn erinnert sich noch gut an den spektakulären Fall, hatte er doch selbst im Prozess aufgesagt, wo Cord Johannsen für schuldig befunden und verurteilt wurde, den brutalen Mord an seiner Frau und seinen zwei Söhnen begangen zu haben, obwohl er immer seine Unschuld beteuert hat. Er sitzt deswegen bereits seit 15 Jahren im Gefängnis. Nur der jüngste Sohn hat völlig traumatisiert überlebt, doch der kann sich an das Tatgeschehen bis heute nicht erinnern…
Der Tote ist schnell identifiziert, hatte er doch tatsächlich im Prozess gegen Cord Johannssen ausgesagt. Während Frida und Bjarne die Akten des alten Kriminalfalls sichten, geschieht der nächste Mord an einem weiteren Zeugen…
Da auch Bjarne auch im Prozess ausgesagt hat, gerät er im Verlauf in höchste Lebensgefahr, denn der Mörder hat auch ihn im Visier…..
Wie bereits erwähnt, hat die Autorin einen fesselnden Erzählstil, wo sie falsche Fährten auslegt und auch die eine oder andere verdächtige Person in den Fokus der Ermittler treibt. Die Kriminalhandlung ist auch sie gewohnt wendungsreich und spannend, auch wenn ich diesmal recht bald eine Idee hatte, wer hier für die Taten verantwortlich ist und richtig lag, was ich aber nicht überbewerten möchte.
Nur etwas hat mich diesmal wirklich etwas gestört und dass war Fridas „Gefühlsduselei“ bezüglich ihrem neuen Kollegen Leonard Bootz. Weniger wäre hier mehr gewesen, zumal es zur Reihe dazugehört und unerlässlich ist, dass sich die Charaktere und die Rahmenhandlung weiterentwickeln, aber bitte wie bisher gewohnt nur wohldosiert in den Kriminalfall eingewoben, was hier für meinen Geschmack diesmal nicht so gut gelungen ist.
Nichtsdestotrotz vergebe ich hier vier von fünf möglichen Punkten und bin gespannt wie die Reihe weitergeht!
Fazit: Das Privatleben der Hauptermittler ist diesmal recht turbulent, weswegen der spannende und fesselnde Kriminalfall etwas in den Hintergrund gerät, daher gibt es vier von fünf möglichen Punkten!
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Nita Prose: The Maid

Droemer

Molly Gray ist 25 Jahre alt und sie arbeitet als Zimmermädchen  – auf Englisch: Maid  –  im  Regency Grand, einem prächtigen Fünf-Sterne-Hotel. Sie liebt ihre Arbeit und geht in ihr auf, denn nichts geht ihr leichter von der Hand als ein benutztes Zimmer oder eine Suite in den „Zustand der Perfektion“ zurückzuversetzen.
Mollys Welt ist recht klein geworden nachdem ihre Gran (Großmutter) verstorben ist, mit der sie von kleinauf zusammenlebte. Als ihre Gran noch lebte, hatte der Alltag mit ihr kleine Rituale, wie gemeinsames Sauberhalten der Wohnung, die Fernsehserie „Colombo“ schauen oder ab und an in einem ganz bestimmten Lokal ein Essen zu genießen. Freundschaften pflegt sie kaum und ist eher für sich allein. Gran’s Lebensweisheiten und Sinnsprüche begleiten sie schon ihr ganzes Leben und auch weiterhin orientiert sich Mollys Denk- und Sichtweise daran. Zwischenmenschliche Situationen kann oftmals nicht richtig einordnen, so dass es zu Missverständnissen kommt.  Durch ihre „Unbedarftheit“ sieht sie oftmals nur das Gute im Menschen, gerät dadurch aber auch an eher zwielichtiger Gestalten, deren boshaftes Ansinnen und deren falsche Fassade sie nicht durchschaut.
Aber ihren Job, den beherrscht sie perfekt! Doch gerade diese Perfektion und ihre – ich nenne es mal – Naivität wird ihr eines schönen Tages zum Verhängnis:
Beim Reinigen eines Zimmers findet sie einen toten Hotelgast in seinem Bett und das Zimmer ist alles andere als perfekt….
… als der Tod des Mannes als „unnatürlich“ eingestuft wird und bald in Sachen Mord ermittelt wird, gerät Molly bald in Verdacht….
Mehr erzähle ich hier nicht. Vom der ersten Seite an mochte ich Molly. Sie erzählt hier aus ihrem Leben und gibt Einblick in ihre Gedankenwelt, die sehr durch das Zusammenleben mit ihrer geliebten Gran geprägt ist. Ihr Leben gerät total aus den Fugen als sie in den Fokus der Mordermittlungen gerät und sie keine Bezugsperson hat, die ihr zur Seite steht…
Mit viel Charme und gut portioniertem feinem Humor ist es der Autorin gelungen ein sehr lesenswertes und auch spannendes Buch zu schreiben. Nur an dem Untertitel des Buches „Ein Zimmermädchen ermittel“ störe ich mich etwas, denn tatsächlich ermitteln tut Molly nicht, sie erzählt „die Wahrheit“ über das, was im Hotel geschehen ist auf ihre ganz eigene Weise  bzw. die Sicht der Dinge.
Auch wenn der Twist in Sachen „Mord“ für eine Überraschung sorgt, kam mir Molly in der Situation wie jemand ganz anderes vor, denn zu ihrem sonstigen „unscheinbaren“ Handeln und Tun mit ihren festgesetzten Regeln passte ihr Auftritt irgendwie nicht.  
Nichtsdestotrotz habe ich „The Maid“ gern gelesen und da es ein Debüt-Roman ist, würde ich hier vier von fünf möglichen Punkten geben und mich über eine Fortsetzung freuen.
Fazit: Humor, Spannung und eine charmante Hauptfigur machen dieses Debüt unbedingt lesenswert!
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