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John Grisham: Das Vermächtnis

Heyne

Das letzte Buch, das ich von John Grisham gelesen habe, hieß „Feinde“, dessen spannende Handlung sich über Generationen erstreckte.
Nun ist sein neuer Roman „Das Vermächtnis“ erschienen und der hat es mal wieder in sich:
Seinen Protagonisten beschreibt John Grisham wie folgt: „Simon F. Latch, Anwalt und Rechtsberater, vor dem Burn-out. Er war die Probleme anderer Leute leid“.
Aus dieser Elegie wird Rechtsanwalt Latch im Verlauf der Handlung herauskatapultiert und sein Leben steht auf einmal auf dem Kopf. Und das kam so:
Eleanor Barnett ist verwitwet und mittlerweile über 80 Jahre alt.  Sie benötigt ein neues Testament, da die beiden erwachsenen, missratenen Söhne ihres Mannes auf keinem Fall etwas erben sollen!
Als die Sprache darauf kommt, was sie denn zu vererben habe, traut Simon seinen Ohren kaum, denn neben einem unbelasteten Eigenheim und einem Auto erzählt sie von Aktien zweier großer Unternehmen, die ihr Mann im Laufe der Zeit gekauft und nie angerührt habe, sodass hier ein schönes Sümmchen zusammengekommen sei. Niemand wusste davon, auch seine Söhne nicht. „Wir lebten bescheiden und abgeschieden in unserem kleinen Haus und niemand ahnte, dass wir Millionen besaßen.“
Nach diesem Gespräch drehen sich Simons Gedanken nur noch darum, wie er das Testament geschickt aufsetzen kann, damit er auch ein Stück vom großen Ganzen abbekommt, denn durch seine bevorstehende Scheidung drücken ihn Geldsorgen, die er zwar durch Glücksspiel versucht zu kompensieren, was ihm aber nicht wirklich gelingt…
Dieser Roman umfasst fast 500 Seiten, die einmal angefangen, nur so dahingeflogen. Man wird sogartig in die Handlung gezogen, da man unbedingt wissen will, ob die charmante alte Dame wirklich so vermögend ist, wie sie hier angibt. Ab und an hat man das Gefühl, sie hält irgendetwas hinter dem Berg, ist schlitzohrig oder will nur in netter Gesellschaft, sprich mit und auf Simons Kosten essen gehen.
Die Szenen mit Netty – so darf Simon die alte Dame bald nennen – sind anfänglich mit humorvollen Ereignissen angereichert, bis sich das Blatt für sie wendet und sie durch einen Autounfall im Krankenhaus landet….
… und wenig später stirbt…
Ab hier fängt die Geschichte erst richtig an, denn Simon findet sich bald auf der Anklagebank wieder, da er verdächtigt wird Netty wegen seiner Geldsorgen ermordet zu haben….
Kann Simon seine Unschuld beweisen oder wird ihm seine Geldgier zum Verhängnis?
Einmal mehr zeigt John Grisham, was für ein toller Geschichtenerzähler ist. Die Charaktere sind hier gut herausgearbeitet und man hat sie direkt vor Augen. Da anfänglich beide Hauptakteure – gemeint sind Netty und Simon – nicht ganz mit offenen Karten spielen, schmunzelt man beim Lesen oftmals und beide sind einem auf die eine oder andere Art sympathisch. Nachdem es für Simon nur noch bergab geht, fiebert man regelrecht mit ihm mit, ob es ihm gelingt seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Ich habe hier Humor und Spannung in der Gesamthandlung vorgefunden, was gut passt. Alles in allem würde ich sogar von einem gelungenen Page-Turner sprechen, denn unterhalten wird man hier sehr gut und durch den angenehmen Erzähl-Stil des Autors fliegen die Seiten nur so dahin. Auch wenn die Auflösung ganz anders ausfällt als man es erwartet hat, werte ich das nicht als Minuspunkt, sondern verbuche es unter schriftstellerischer Freiheit und spreche hier meine Lese-Empfehlung aus.
Fazit: Volle Punktzahl für diesen spannenden mit humorvollen Passagen angereicherten Page-Turner, den man nicht verpassen sollte!
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John Grisham: Feinde

Heyne

Den im Herbst letzten Jahres erschienen, spannenden Roman „Der Verdächtige“ hatte John Grisham in Florida angesiedelt.
In seinem neuen seitenstarken Werk geht es nach Biloxi, einer Stadt im Süden des US-Bundesstaat Mississippi. Die Handlung des Romans erstreckt sich über einen langen Zeitraum, wo einerseits der Wandel des an der Golfküste gelegenen Ortes aufgezeigt wird, zum anderen die Lebensgeschichte zweier kroatischer Einwandererfamilien genauer beleuchtet wird. Einen ganz besonderen Part übernehmen dabei die beiden 1948 geborenen und seit frühester Kindheit befreundeten Jungen Hugh Malco und Keith Rudy dar. Beide brillieren als Baseball-Talente und werden als solche gefeiert. Sie genießen das Leben und können sich im zarten Alter von zwölf Jahren nicht vorstellen, dass sich an ihrer engen Freundschaft je etwas ändern könnte…
Und genau das passiert, denn im Verlauf der Jahre driften ihre privaten und beruflichen Wege in eine total entgegengesetzte Richtung. Keith Rudy tritt in die Fußstapfen seines Vaters und studiert Jura und wird im Verlauf Staatsanwalt. Auch Hugh Malco eifert seinem Vater nach, der allerdings auf der anderen Seite des Gesetzes steht und kriminelle Machenschaften bis hin zu mafiösen Strukturen, Alkohol, Glücksspiel und Prostitution eng mit seinem Namen verbunden sind.
Der Kampf gegen „Gut und Böse“ erstreckt sie über eine lange Zeitspanne, d. h. anfänglich sind es noch die Väter der beiden Freunde Keith und Hugh, die sich im imaginären Ring gegenüberstehen. Doch das ändert sich durch ein dramatisches Ereignis und aus den einstigen engen Freunden werden – wer hätte das je von den beiden gedacht Feinde!
Wie es dazu kommt, kann man im neuen spannenden Roman von John Grisham anschaulich präsentiert, nachlesen. Auch wenn es anfänglich etwas beschaulich vorangeht und im Verlauf so einige düstere Gestalten auftauchen und es Mitwirkende zu Hauff gibt, findet man sich im Geschehen gut zurecht. Im Nachhinein kann ich nur sagen, die anfängliche „Ruhe vor dem Sturm“ bzw. das ausführliche Erzählen der Vorgeschichte ist wichtig für die Gesamthandlung.  So erkennt man erst die tiefgreifenden Zusammenhänge und die Tragik des Ganzen, mit welchen Emotionen hier der Schlussakkord verbunden ist.
Ich bin seit langem ein großer Fan dieses Autors, dessen Bücher ja auch schon sehenswert verfilmt ( z.B. Die Jury oder Die Akte) wurden!
Diesen Roman habe ich wieder gern gelesen. Durch den angenehmen Erzählstil findet man sich auch bei den vielen Mitwirkenden und zeitlichen Zusammenhängen gut im Geschehen zurecht und kann alles gut einordnen, sodass ich hier meine Leseempfehlung ausspreche. 
Fazit: Ein unbedingt lesenswerter spannender Roman aus der Feder von John Grisham, dem gern noch viele weitere folgen dürfen!
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John Grisham: Der Verdächtige

Heyne

Von John Grisham habe ich schon einige Bücher gelesen und mich immer gut und spannend unterhalten gefühlt, wie zuletzt bei „Der Polizist“, wo nach jahrelanger „Abwesenheit“, der in Mississippi tätige Anwalt Jake Brigance (vielen bekannt aus „Die Jury) mal wieder in Erscheinung tritt .
Nun habe ich den neuen Roman des Autors „Der Verdächtige„ gelesen, der handlungsmäßig nach Florida führt, wo Lacy Stoltz als Anwältin in der „BJC“, der Aufsichtsbehörde arbeitet, die sich mit standeswidrigem Verhalten von Richter(n)innen befasst. Kürzlich war es Lacy gelungen einen aufsehenerregendem Fall von Korruption – den genauen Hergang kann man übrigens in „Bestechung“  nachlesen – aufzuklären.
Doch nun ist gerade etwas Ruhe eingekehrt und ihr Feierabend in greifbarer Nähe als das Telefon klingelt und eine weibliche Stimme sich meldet und Lacy um ein „Vieraugengespräch“ bittet, da sie ein schwerwiegendes Fehlverhalten eines Richters melden möchte.
Etwas zögerlich willigt Lacy ein und  trifft sich mit der Unbekannten, die sich aus Ängstlichkeit und der Sorge vor Entdeckung anfangs hinter dem Pseudonym Margie verbirgt, aber Erstaunliches zu berichten hat:
Aus privaten Gründen ist sie seit mehr als 20 Jahren auf der Suche nach Beweisen um einen ihr namentlich bekannten Richter als Mörder zu überführen. Akribisch hat sie eine Vielzahl an Akten angelegt, die sich aber nicht nur mit einem Todesfall beschäftigen, sondern es geht um eine ungelöste Mordserie, die sich über mehrere Staaten Amerikas erstreckt. Einen Zusammenhang zwischen diesen Fällen hat bisher nur sie entdeckt. Da es kürzlich wieder einen Mord gab, der „seine Handschrift“ trägt, sollen sich nun die offiziellen Stellen – und allen voran das BJC und somit Lucy – damit beschäftigen diesem Richter das Handwerk zu legen bzw. alle notwendigen Schritte einleiten, damit er gefasst wird. 
Lucy bekommt es mit einem hoch intelligenten, penibel Fehler vermeidenden und keine Spuren hinterlassenden Mörder zu tun, dem es auch nicht verborgen bleibt, dass gegen ihn ermittelt wird. Er spielt bald Katz und Maus mit seinen „Gegnern“, lässt aber auch das Morden nicht sein….
Ich habe das Buch gern gelesen und mich spannend unterhalten gefühlt.
Die Handlung splittet sich bald in unterschiedliche Perspektiven auf, was aber gut gelungen, den Lesefluss nicht beeinträchtigt und alles gut nachvollziehbar ist.
Bei den Hauptakteuren gibt es einen wohldosierten Einblick ins Privatleben, was gut in die Gesamthandlung eingewoben ist und nicht vom roten Faden ablenkt.
Besonders gut hat mir hier gefallen, dass John Grisham darauf verzichtet hat, dem Leser Gesetze und Vorschriften „zu erklären“, weswegen in diesem oder jenen Bundesstaat der USA die Strafverfolgung so oder so vonstattengeht.
Da die Suche nach Beweisen extrem schwierig ist, dies hier aber recht ausführlich geschildert wird und einen Großteil der Handlung einnimmt, kam das Ende der Story etwas abrupt für mich. Nach der schwierigen und komplizierten Suche zu Beginn, hätte ich mir den Showdown dann doch etwas „spektakulärer“ vorstellen können. Dies aber nur am Rande, denn an meiner Lese-Empfehlung für das spannende Buch, ändert sich deswegen nichts.
Fazit: Spannend und fesselnd geschilderte Jagd nach einem Mörder, der mit allen Wassern gewaschen ist!
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