Lübbe
Bereits zum fünften Mal geht es handlungsmäßig nach Finnland, in die Küstenstadt Pori, wo das Ermittler-Team um Jari Paloviita es diesmal mit einer Reihe von schrecklichen Verbrechen zu tun bekommt. Anfänglich sind es übermütige Jugendliche, die sich um den Rädelsführer Ilkka Rajala scharen. Seine Anhängerschar wird immer gewaltbereiter, zerstört unter Einfluss von Drogen fremdes Eigentum, es wird herumgepöbelt, randaliert und schikaniert, besonders angetan haben es den Jugendlichen, obdachlose Menschen….
In den frühen Morgenstunden wird Jari Paloviita zu einem Tatort in einem Waldgebiet gerufen. Dort angekommen liegt eine Dunstwolke von Benzin in der Luft und es bietet sich ihm ein schauriger Anblick: Ein bis zu Unkenntlichkeit verbrannter Leichnam liegt am Boden.
Die ersten Ermittlungen ergeben, dass es sich offenbar um einen obdachlosen Mann handelt, den man mit Benzin übergossen und angezündet hat.
Der Verdacht liegt nahe, dass die Bande um Ilkka etwas mit dem Mord zu tun hat und sie damit die rote Linie überschritten haben und nun in die schwere Kriminalität abgerutscht sind….
Es bleibt nicht bei dem einen Brandopfer im Obdachlosenmilieu und die Ermittler bekommen alle Hände voll zu tun, denn ihr Augenmerk liegt nicht nur bei der jugendlichen Bande, sondern auch ein aufstrebender Drogenboss könnte seine Finger im Spiel haben..
Überraschenderweise engagiert sich die Kommissariatsleiterin Susanna Manner bei der Aufklärung der Brandmorde und taucht sogar an den Tatorten auf, so ganz gegen ihre sonstige Arbeitsweise. Was sich hinter ihrem Engagement verbirgt, ist ein Handlungsstrang, der mit reichlich krimineller Energie angereichert ist.
Der Titel „Was wir nicht sehen wollen„, ist gut gewählt und passt zum Inhalt. Die bekannten Mitwirkenden dieser Krimi-Reihe haben sich weiterentwickelt und es gibt wie bisher einen wohl dosierten Einblick in ihr Privatleben.
Ich habe diese Kriminalgeschichte wieder gern gelesen, die Figuren sind mir seit dem ersten Band dieser Reihe bekannt und ich hatte keine Probleme mich im Geschehen zurechtzufinden. Etwas Schwierigkeiten dagegen hatte ich mit dem Thema „Hypnose“ und wie es sich auf einen Teil der Mitwirkenden ausübt. Es klärt sich zwar zum Schluss alles nachvollziehbar auf, aber bis es so weit ist, dauert es diesmal etwas, weswegen der Spannungsbogen etwas abflacht, was schade ist. An das vorherige Buch „Was wir ihnen antun“ kommt das aktuelle inhaltlich nicht ganz heran, weswegen ich diesmal vier von fünf möglichen Punkten vergebe.
Fazit: Reicht inhaltlich nicht ganz an die vorherigen Bücher heran, ist aber lesenswert und für Fans der Reihe unabdingbar.
Lübbe
Im vorherigen Band der finnischen Krimi-Reihe führte die Handlung von „Was wir nie verzeihen“ in die Vergangenheit, wo Arttu Tuominen Einblick in ein schreckliches Zeitgeschehen gab, dessen „Nachwirkungen“ dann zu einer in der Jetztzeit stattfindenden Mordermittlung führte, die ich nervenaufreibend, aber auch nachdenklich machend fand.
In der aktuellen Handlung von „Was wir ihnen antun“ gibt es für das Ermittlungsteam, das wie gewohnt aus Jari Paloviita, Henrik Oksman und Linda Toivonen besteht, sehr weitreichende und auch psychisch belastende Vorkommnisse zu untersuchen:
Die 13-jährige Laura wird von ihrer besorgten Mutter auf dem Polizeirevier in Pori als vermisst gemeldet. Linda Toivonen nimmt sich der Sache an. Die anfänglich noch hoffnungsvolle Suche nach Laura endet recht schnell in einer schlechten Nachricht, denn die Dreizehnjährige wird ermordet aufgefunden und ihr wurde Schreckliches angetan …
Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, es gibt zwar den einen oder anderen Verdächtigen, aber keine handfesten Beweise. Doch dann werden die Ermittler hellhörig, als sie auf Lindas Online-Kontakt mit einem gewissen „Peter Pan“ stoßen.
Handelt es sich dabei um eine harmlose Schwärmerei oder gar um einen besorgniserregenden Chat-Verlauf? Nun, ich werde es sicherlich nicht verraten, dazu ist dieser Roman einfach zu spannend und lesenswert!
Parallel und eingewoben, aber nicht vom roten Faden ablenkend, gibt es einen Einblick in das Privatleben von Linda Toivonen, die durch die Ermittlungen psychisch sehr belastet wird, was nicht spurlos an ihr vorbeigeht, hat sie doch auch eine Tochter im Teenageralter.
Die Thematik dieses Bandes ist schon „hard stuff“. Dem Autor ist es aber sehr gut gelungen, die psychisch belastenden Situationen sehr einfühlsam zu schildern, obwohl einem aber trotzdem die Nackenhaare hochstehen.
Durch die weitreichenden Recherchen mit Blick auf andere Kriminalfälle hatte ich teilweise den Verdacht, hier gibt es einen realen Hintergrund, der den Autor zu diesem spannenden und fesselnden Kriminalroman inspiriert hat.
Lange Zeit ist es Arttu Tuominen gelungen, „das Böse“ zu verstecken, doch dann hatte ich eine Idee und lag letztendlich auch richtig, was aber keinen Punktabzug gibt, denn dazu ist das Buch zu spannend, gelungen und lesenswert!
Ich vergebe hier die volle Punktzahl und bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht!
Fazit: Buch Nr. 4 der finnischen Krimi-Reihe ist thematisch „hard stuff“, wird aber mit Fingerspitzengefühl skizziert, sodass es hier die volle Punktzahl für fesselnde Spannung gibt und ich meine Lese-Empfehlung ausspreche!