Heyne
Ich muss gestehen, „Verschwunden“ ist das erste Buch, das ich von Sabine Thiesler gelesen habe. Aber eins kann ich jetzt schon sagen, es wird sicherlich nicht das letzte gewesen sein!
Handlungsmäßig geht es in die Toskana, wo in dem kleinen italienischen Ort Ambra das jährlich stattfindende Dorffest in vollem Gange ist. Zwischen Ständen mit Kunsthandwerk, Buden mit Leckereien und Bühnen mit Musik und Tanz tummeln sich unzählige Einheimische und Touristen. Zu diesen gehört auch die kleine Familie Wengler aus Deutschland, die sich im Gewühl auf der Piazza aus den Augen verlieren. Mutter und Vater finden sich nach kurzer Zeit wieder, aber der siebenjährige Jonas bleibt auch nach ihrer akribischen Suche spurlos verschwunden, weswegen ihn seine Eltern auf der örtlichen Polizeiwache bei Maresciallo Donato Neri als vermisst melden. Neri steht der ganzen Sache etwas hilflos gegenüber und weiß nicht so recht, wie er den verschwundenen Jungen wiederfinden soll…
Im Verlauf lernt man als Leser die attraktive, Erfolg verwöhnte Immobilienmaklerin Elena Ludwig kennen. Sie selbst lebt abgeschottet von alten Mauern mitten in Siena in einem Traumhaus mit wunderschönem Garten. Sie genießt ihr Leben in vollen Zügen. Doch damit nicht genug, sie liebt das Abenteuer, weswegen sie sich über eine Agenturvermittlung mit reichen Männern trifft, die sie an exklusive Orte einladen, um dann ein außergewöhnliches, lustvolles Wochenende mit ihr zu verbringen. Niemand weiß davon und darf es nie erfahren, was ihr aber beim letzten Rendezvous zum Verhängnis wird, denn diesmal gerät sie an den Falschen, denn hinter seiner charmanten Fassade verbirgt sich ihr größter Alptraum!
Durch den angenehmen, flüssigen Erzählstil ist man recht schnell ins Geschehen abgetaucht, braucht aber wirklich starke Nerven, denn die hier geschilderten Szenerien sind schon „hard stuff“ und lassen einem die Nackenhaare hochstehen.
Die polizeilichen Ermittlungen spielen sich eher – wenn überhaupt – nur am Rande ab. Die Gesamthandlung setzt sich aus den unterschiedlichen Sichtweisen der verschiedenen Mitwirkenden Stück für Stück zusammen, was gut gelungen ist und mir gefallen hat.
Von Beginn an durchzieht eine unheilvolle Atmosphäre das Geschehen, die neben Spannung, aber auch nervenaufreibende Ungewissheit beinhaltet. Wie bereits erwähnt, ist dieser Thriller nichts für schwache Nerven, wer sich aber darauf einlässt wird hier bis zum Schluss gut unterhalten, zumal auch die schöne Landschaftskulisse und die Mentalität der Einheimischen mit in die Rahmenhandlung einfließen, was gut passt.
Etwas Schwierigkeiten hatte ich mit dem recht schwerfälligen und kaum agierenden Maresciallo Donato Neri, er wirkte auf mich wie etwas aus der Zeit gefallen. Auch die abenteuerlustige und an Luxus gewöhnte Elena Ludwig war mir nicht sonderlich sympathisch und ihr schlimmes Schicksal, kann man auch als Mahnung sehen, dass man für Geld nicht alles kaufen kann.
Insgesamt hat mir dieser Thriller aber recht gut gefallen, ich vergebe vier von fünf Punkten und werde immer mal wieder Ausschau halten, ob es etwas Neues von dieser Autorin zu lesen gibt.
Fazit: Nichts für schwache Nerven! Nervenaufreibender Thriller, der einem oftmals die Nackenhaare hochstehen lässt!
Bookouture
Detective Josie Quinn ermittelt in ihrem 7. Fall!
Im letzten Buch mit dem Titel „Ihre stumme Bitte“ waren Josie und ihr Kollege und Lebensgefährte Noah Fraley gerade in ihre gemeinsame Wohnung eingezogen.
Durch die tiefgreifenden Ereignisse in ihrer Vergangenheit und den aktuell immer noch bestehenden psychischen Belastungen in ihrem sozialen Umfeld quälen die sonst so toughe Ermittlerin schwere Alpträume, die ihr auch körperlich zusetzen und ihre sonstige Leistungsfähigkeit eingrenzen. Der Inhalt ihrer Alpträume ist Bestandteil der aktuellen Handlung.
Aber eine Verschnaufpause ist Josie nicht vergönnt, denn man hat im Wald von Denton ein totes Ehepaar neben einem erloschenen Lagerfeuer gefunden. Auf den ersten Blick sind keine Verletzungen erkennbar, die auf einen gewaltsamen Tod hinweisen, weswegen man anfänglich vermutet, dass sie versehentlich etwas Giftiges zu sich genommen haben. Aber diese Annahme wird recht schnell revidiert, denn im Rachen der toten Frau findet man eine Halskette mit einem ganz speziellen Anhänger, den ihr dort jemand vor ihrem Tod hineingepresst haben muss.
Bald wird dann im näheren Umkreis ein weiterer Schlafsack gefunden, der darauf hindeutet, dass noch eine dritte Person mit dem Paar gemeinsam gecampt haben muss…
Die Suche nach dieser Person hat oberste Priorität, denn entweder handelt es sich um ein entkommendes Opfer oder eine mörderische Person auf der Flucht!
Ich liebe die spannenden Kriminalgeschichten um Josie Quinn.
Bisher waren es durchweg gelungene, spannungsgeladene Page-Turner mit einer sich weiter entwickelnden Rahmenhandlung.
Doch beim aktuellen Buch „Die Namenlose“ hatte ich etwas Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen. Besonders die Beweggründe der drei „Hauptverdächtigen“ konnte ich nicht nachvollziehen.
Ausgeartete Gewaltphantasien, die sich in kriminelle Energie verwandeln, wo es auch Opfer zu beklagen gibt, sind ein Bestandteil der Handlung. Dann tauchen andersrum Opfer auf, die dies nur vorgetäuscht haben.
Undurchsichtig wird es rund um die Mitglieder der „sektenähnlichen Gemeinschaft“, die offenbar ein Geheimnis hüten und mittendrin Josie, die dies auf ihre Art und Weise lüften will, dabei aber in höchste Lebensgefahr gerät.
Und wie oben schon erwähnt, gibt es außerdem eingewoben in die Handlung Einblicke in Josies Alpträume.
Mir war es diesmal einfach zu viel „Input“ und es fehlte mir „Josies Biss“ in der Handlung, was schade ist.
Die Kombination aus dem etwas verworrenen Kriminalfall und dem Blick in Josies „Alpträume“ fand ich diesmal nicht so gelungen. Es handelt sich eher um durchschnittliche Krimi-Kost, da war ich doch aus den sechs vorherigen Büchern etwas anderes gewohnt.
Nichtsdestotrotz kommt man als Fan der Reihe an diesem Buch nicht vorbei! Da es in der Rahmenhandlung in Josies Privatleben zu einem „Abschluss“ kommt, der sicherlich auch etwas Ruhe in ihr Seelenleben bringt, möchte ich noch abwarten und bin gespannt wie es weitergeht.
Fazit: Nicht ganz so stark wie die vorherigen Bücher der Reihe, aber Fans von Josie Quinn kommen an Band Nr. 7 nicht vorbei!
Piper Verlag
Anfang Dezember letzten Jahres hatte ich hier „Eiskalt tanzt der Tod“ und somit das 11. Buch der Krimi-Reihe um den hannoverschen Ermittler Bodo Völxen und seinem Team vorgestellt. Schwang damals der Hauptkommissar gemeinsam mit seiner Frau Sabine das Tanzbein, was aber jäh unterbrochen wurde, da man ihren Tanzlehrer ermordete, distanziert sich Bodo Völxen im aktuellen Buch „Alle sehen Dich“ vom neuen Hobby seiner Frau. Die lauscht nämlich mit wachsender Begeisterung den Beiträgen und Videoclips der Bloggerin Charlotte Engelhorst, die Ratschläge rund um den Garten gibt, aber auch andere zwischenmenschliche Themen anspricht, was bei ihren vielen Followern gut ankommt.
Im letzten Buch bahnten sich ja schon die Veränderungen bei Völxens Team an. Oda Kristensen, eine geschätzte, langjährige Kollegin und Mitarbeiterin nimmt sich ein Sabbatjahr und feiert Abschied, weswegen Bodo Völxen auch gleich zu Beginn des aktuellen Geschehens etwas verkatert ist und von Kopfschmerzen geplagt wird. Zum „Durchlüften“ macht er einen Spaziergang, um nach den Schafen zu sehen. Seine Frau beschäftigt sich im Haushalt, als mit einem „Pling“ ein neuer Beitrag ihrer Lieblingsbloggerin angekündigt wird. Doch was sie dort zu sehen bekommt, ist so ganz anders als erwartet und lässt sie erstarren, denn offenbar wird gerade Charlotte Engelhorst vor laufender Kamera ermordet….
Wie es dazu kommen konnte, erzählt die Autorin in datierten Rückblicken. Dabei wird man als Leser Zeuge, als es in der Vergangenheit zu einer unschönen Konfrontation zwischen Bodo Völxen und einer sehr fordernd auftretenden Charlotte Engelhorst kommt. Diese erscheint aufgebracht im Kommissariat und verlangt unverzüglich umfangreiche Ermittlungen, da sie hinter dem Unfalltod ihres Ehemannes einen Mordanschlag vermutet, der aber auch gegen sie gerichtet sein könnte!?
Recht schnell war ich ins Geschehen eingetaucht und fand mich auch bei den Zeitsprüngen gut zurecht. Da Oda Kristensen sich ja (hoffentlich) nur vorübergehend verabschiedet, bekommt das Ermittler-Team Verstärkung durch Polizeianwärter Jordis Tadden, der sich recht gut „schlägt“ und am Ende auch gut ins Team einfügt. Doch kaum hat der „Neue“ seinen Dienst angetreten, wird ein anderes Team-Mitglied für längere Zeit suspendiert…
Was anfangs noch gar nicht wie ein Fall für Völxen und Co. aussieht, zieht im Verlauf weite Kreise. Es tauchen noch mehr Opfer auf, sodass hier reichlich Arbeit auf das verkleinerte Team zukommt, weswegen sie sich etwas „Hilfreiches“ einfallen lassen…
Susanne Mischke ist es erneut gelungen, einen spannenden, unterhaltsamen und mit humorvollen Passagen angereicherten Kriminalroman zu schreiben. Besonders gut hat mir auch die neu erschaffene Figur des Polizeianwärters Jordis Tadden gefallen, passt er doch in dieses bunt gewürfelte Völxen-Team wunderbar hinein. Insgesamt habe ich den zwölften Band der Reihe genossen, weswegen er die Höchstpunktzahl bekommt und ich meine Lese-Empfehlung ausspreche.
Fazit: Ein spannender Kriminalfall und ein Ermittler-Team, das sich umstrukturiert und dabei auch noch erfolgreich Kriminalfälle löst, macht dieses Buch lesens- und empfehlenswert!