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Chris Carter: Du kriegst mich nicht

hörbuch hamburg

Dies ist mein erstes Buch bzw. Hörbuch von Chris Carter. Von dem Autor hatte ich schon viel gehört, aber bisher noch keines seiner Thriller gelesen.
Für die ungekürzte Hörbuch-Fassung von „Du kriegst mich nicht“ sollte man schon etwas Zeit einplanen, denn mehr als 13 Stunden Handlung bekommt man hier geboten.
Die Lesung hat der bekannte deutsche Schauspieler und Synchronsprecher Sascha Rotermund übernommen, der z.B. Dr. Strange aus der Marvel-Familie bzw. Benedict Cumberbatch seine Stimmer leiht. Gekonnt nimmt er die Zuhörer mit und man merkt gar nicht, wie schnell die Zeit verfliegt, wenn man seiner Stimme lauscht. Seiner Vortragsart/-weise ist es auch zu verdanken, dass ich mir dieses Hörbuch bis zum Schluss angehört habe, aber dazu mehr siehe unten.
Zum Inhalt des Hörbuches:
Gleich zu Beginn der Handlung befindet man sich in einem Gerichtssaal, wo Nelson Stewart auf der Anklagebank sitzt. Im Verlauf wird er zu mehr als zehn Jahren Gefängnis verurteilt, wegen schwerer Misshandlung seiner Ehefrau Samantha. Diese hatte unter Tränen die Vorkommnisse in ihrer Ehe vor Gericht geschildert. Gleich nach der Urteilsverkündung wendet sich Nelson noch im Gerichtssaal an Samantha und schwört auf Rache.
Im Eilverfahren kommt es zur Ehescheidung und aus Angst vor der Rache ihres Ex-Manns ändert Samantha ihren Namen in Mary Smith und sie taucht unter und befindet sich fortan auf der Flucht. Sie ist überzeugt, dass Nelson auch aus dem Gefängnis heraus, nur ein paar Strippen ziehen muss, um seine Rachepläne umzusetzen.
Ruhelos und immer in Hab-Acht-Stellung versucht Mary keine Spuren zu hinterlassen.
Das Geld, dass ihr nach der Scheidung von Nelson zugesprochen wurde, ist erst einmal ein kleines Polster um „in Deckung“ zu bleiben. Doch dieses angespannte Leben zerrt an ihren Nerven und nach einer Odyssee durch viele Städte und Wohnungen landet sie in San Francisco, wo sie gern bleiben würde und wo sie auf einen Neuanfang hofft.
Tatsächlich tut sich etwas in ihrem Privatleben, denn bei einer Kunstausstellung lernt sie einen charismatischen Mann kennen…
Mehr möchte ich von der Handlung gar nicht preisgeben, denn ab hier wird es wendungsreich und Marys Hoffnung auf einen Neuanfang nimmt Gestalt an….
Auf dem Cover steht Thriller, doch der Thrill lässt lange auf sich warten bzw. taucht – wenn überhaupt – erst im letzten Drittel der Handlung auf. Zwar liegt über der Gesamthandlung eine anspannte Atmosphäre und man wartet regelrecht darauf, dass Mary irgendwo von einem Späher ihres Ex-Mannes entdeckt wird, doch bis auf ein kurzes „Erschrecken und schnelles Abtauchen“ von Seiten Marys passiert nicht wirklich etwas.
Viele Seiten lang habe ich mich an einen Liebesroman erinnert gefühlt, der in der High Society angesiedelt ist und wo man mit genügend Geld alles kaufen kann.
Chris Carter hat eine angenehme Erzählart, sodass man der Handlung gut folgen kann. Die Wendungen hier sind für mich keine Überraschung gewesen – wahrscheinlich lese ich zu viele Bücher und hinterfrage viele Dinge – aber es stand für mich von vornherein die Frage im Fokus, ob Samantha/Mary wirklich ein Opfer ist oder ob sie einen raffinierten Plan verfolgt, aus welchen Gründen auch immer.
Leider konnte mich die Gesamthandlung nicht wirklich „thrillen“, auch wenn zum Ende hin noch ein paar spannende Szenen für „Verwirrung“ sorgen. Fesselnde Spannung von Anfang bis Ende ist für meinen Geschmack nicht vorhanden. Dem gelungenen Vortrag von Sascha Rotermund ist es zu verdanken, dass ich dieses Hörbuch bis zum Schluss angehört habe und somit drei von fünf möglichen Punkten vergebe.
Fazit: Die gelungene Lesung von Sascha Rotermund macht dieses Hörbuch hörenswert, wenn auch inhaltlich wenig Thrill vorhanden ist und man eher einen unterhaltsamen Roman zu hören bekommt.
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Judith Merchant: Aprikosenkind

Kiwi Verlag    NetGalley

Seit 2011 bin ich ein Fan dieser Autorin, denn damals erschien ihr erster Krimi aus der Jan-Seidel-Reihe „Nibelungenmord“, dem noch zwei weitere folgten. Zuletzt habe ich von ihr den Thriller „Schweig!“ gelesen, der 2021 erschien und sich im Verlauf als wendungsreiches Psycho-Duell entpuppte!
Nun ist zu meiner Freude ein neues Buch von Judith Merchant erschienen, das den Titel „Aprikosenkind“ trägt.
Die Titelfigur ist ein kleines fünfjähriges Mädchen namens Ruby. Sie ist ein besonderes Kind, die zwar in den Kindergarten geht, aber eigentlich lieber für sich allein ist und still an einem Platz sitzt, wo sie malen kann. Sprechen mag sie auch nicht besonders gern mit anderen Menschen, denn sie ist eher in sich gekehrt, überdenkt viele Dinge erst, bevor sie auf ihre ganz eigene Art und Weise kommuniziert…
Im Kindergarten wird dieses Verhalten von den Erwachsenen kritisch beäugt und man ist sich einig, dass Ruby anders ist als andere Kinder in ihrem Alter, weswegen man immer wieder an die Eltern herantritt und auf Untersuchungsmöglichkeiten oder Teste verweist, die vielleicht Rubys Verhalten in eine medizinische Diagnose „verwandeln“.
Rubys Mutter Nathalie kümmert sich hingebungsvoll um ihre kleine Tochter und gemeinsam mit ihrem Mann Gabriel sind die beiden sich einig, dass man Ruby nur etwas mehr Zeit geben sollte, um sich an neue Umgebung zu gewöhnen. Denn die kleine Familie wohnt noch nicht allzu lange in dem eher ländlich anmutenden, idyllisch gelegenen kleinen Ort. Hier hofften sie, würde Ruby „aufblühen“. Tatsächlich „taut“ Ruby etwas auf, als Rosa bei ihnen einzieht…
Wer die Bücher der Autorin und ihre ruhige besondere Erzählweise kennt, der weiß auch, wie meisterhaft sie die Leserschaft mit unvorhersehbaren Wendungen plötzlich aus der Idylle herauskatapultiert und nichts mehr ist, wie es einmal war.
Genau so passiert es in der aktuellen Handlung, weswegen ich auch keinen weiteren Blick ins Geschehen mehr für notwendig halte, denn dann würde ich das Lesevergnügen schmälern.
Nur soviel noch: Es geschehen merkwürdige Dinge im Haus der kleinen Familie, die dann im Verlauf die Frage aufkommen lässt, welche Geheimnisse liegen hier verborgen und spielt hier überhaupt jemand mit offenen Karten oder verbergen sich alle hinter trügerischen Fassaden…
Nun, ich werde es sicherlich nicht verraten, sondern kann nur sagen, dass von Beginn an eine angespannte Atmosphäre über dem Geschehen liegt und je weiter man sich „vorarbeitet“ umso mehr stellen sich einem die Nackenhaare hoch, wenn man erkennt, was für menschliche Abgründe sich hier auftun….
Ich habe mich spannend und fesselnd unterhalten gefühlt, nur der „Schlussakkord“ ist für meinen Geschmack etwas zu kurz geraten bzw. etwas zu „glatt“ gegangen, wenn man mal die wendungsreichen Geschehnisse Revue passieren lässt.
Daher vergebe ich vier von fünf möglichen Punkten und spreche meine Lese-Empfehlung aus!
Fazit: Leise erzählte, fesselnde und wendungsreiche Handlung, die einen sofort einfängt und dann in menschliche Abgründe blicken lässt!

 

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Ragnar Jónasson: Stille

btb

Im Dezember 2021 erschien von diesem Autor der Kriminalroman „Frost“, wo Helgi Reykdal – damals noch Kriminologie-Student  – einen Part in der Handlung hat.
Einige Zeit später tritt er bei der Polizei in Reykjavik seine Stelle als Mordermittler und somit die Nachfolge der ausscheidenden Polizistin HULDA Hermannsdóttir an. Wer diese Ermittlerin noch nicht kennen sollte, dem kann ich nur die spannende gleichnamige Krimireihe empfehlen!
Die aktuelle Handlung des Romans „Stille“ setzt sich aus unterschiedlichen Zeitebenen zusammen, wobei die Gegenwart im Jahr 2012 angesiedelt ist:
Beruflich hat Kommissar Helgi Reykdal mittlerweile einige Erfahrung sammeln können, in seiner Freizeit aber gibt es nichts Schöneres für ihn, als Krimis zu lesen, am liebsten die von Agatha Christie, aber auch gern andere ältere Exemplare aus dem Angebot des familieneigenen Antiquariats.
Nach reichlich Turbulenzen in seinem Privatleben genießt er nun die Zweisamkeit mit seiner Freundin Anita. Doch diese Harmonie wird im Verlauf jäh gestört. Was genau geschieht, ist ein Teil der Gesamthandlung und wird hier nicht weiter thematisiert.
Helgis neuester Fall ist ungewöhnlich, aber für ihn ganz besonders interessant:
Die über Islands Grenzen hinaus bekannte und erfolgreiche Krimiautorin Elín S. Jónsdóttir ist spurlos verschwunden und Helgi wird mit der Suche nach ihr beauftragt. Er legt sich ganz besonders ins Zeug, denn er kennt natürlich alle Bücher von ihr!
Da Elin bereits etwas älter ist und ihre Eigenheiten hat, macht sich ihr enger Freundeskreis erstmal keine großen Sorgen, denn sie könnte ja freiwillig „untergetaucht“ sein. Helgi fängt an sich mit dem Leben der bekannten Schriftstellerin zu beschäftigen und Gespräche mit ihren Freunden zu führen.
Im Verlauf stößt er auf Ungereimtheiten, denn ihre Freunde scheinen nicht mit offenen Karten zu spielen.
In die Gesamthandlung sind Auszüge aus einem Interview eingewoben, das Elin im Jahr 2005 gegeben hat. Ob es bei der Suche nach ihr weiterhilft?
Ragnar Jónasson überrascht seine Leserschaft mit einem eingewobenen Handlungsstrang, der um 1977 spielt und wo HULDA Hermannsdóttir in Erscheinung tritt!...
Wer wie ich bisher alle Bücher von Ragnar Jónasson gelesen hat, der kennt und mag seinen ruhigen Erzählstil. Er schafft es immer wieder aufs Neue aus einer fast belanglosen Anfangssituation einen weitreichenden, oftmals sich aus mehreren Zeitebenen zusammensetzenden Plot zu entwickeln, der einen von Beginn an fesselt, erstaunen lässt und wie auch diesmal mit einem Cliffhanger sehnsüchtig auf das nächste Buch der Reihe warten lässt.
Volle Punktzahl für diesen spannenden und lesenswerten Island-Krimi, der für alle HULDA-Fans noch eine kleine Überraschung in petto hat, was mir besonders gut gefallen hat.
Fazit: Ruhig erzählter, von Beginn an spannender und fesselnder Island-Krimi, der die volle Punktzahl erreicht und für HULDA-Fans noch eine kleine Überraschung in petto hat! Gern noch lange weiter so!
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