Lübbe
Anfang dieses Jahres hatte ich hier „Was wir verschweigen“, den ersten Band dieser Krimi-Reihe vorgestellt. Kommissar Jari Paloviita wird darin mit einem Mordfall konfrontiert, der ihn weit in seine Vergangenheit katapultiert und die weiteren Geschehnisse ihn auf einem schmalen Grat wandern lassen, weshalb er in eine moralische Zwickmühle gerät …
Nun ist das zweite Buch „Was wir verbergen“ erschienen und erneut geht es handlungsmäßig in die finnische Küstenstadt Pori, wo der Autor übrigens selbst mit seiner Familie lebt.
Gleich zu Beginn der Geschichte wird es explosiv, denn jemand hat eine Handgranate in den besonders in der queren Party-Szene beliebten Nachtclub Venus geworfen, wodurch mehrere Menschen sterben und viele verletzt werden.
Recht schnell taucht in den Medien ein Video auf, wo sich eine vermummte Gestalt zu dem Anschlag bekennt und sich als „Gesandter“ Gottes ausgibt. Er ruft zum Kampf gegen diese Sünder auf und demonstriert, dass er zu weiteren Taten bereit ist!
Wie bereits im ersten Buch übernimmt das Kripo-Team Jari Paloviita, Linda Toivonen und Henrik Oksman die Ermittlungen.
Kommissar Oksman übernimmt hier in der Geschichte einen ganz besonderen Part, war er doch kurz vor dem Anschlag auch Gast in dem Club, was aber niemand erfahren darf, denn auch er hat etwas zu „verbergen“. Aus seiner Perspektive wird teilweise die Handlung erzählt, wo man Einblick in sein Seelenleben bekommt, er sich mit Selbstzweifeln plagt und die Angst vor Entdeckung mit den sich daraus ergebenen Konsequenzen spürbar wird. Deshalb hat er nur ein Ziel vor Augen: den „Gesandten“ aufzuspüren und dingfest zu machen!
Arttu Tuominen schildert hier in einem angenehmen Erzähl-Stil sehr anschaulich eine bewegende, nachdenklich machende, teils aber auch nervenaufreibende Geschichte, die zu unterschiedlichen Schauplätzen führt, wo dann kriminelle Energie zutage tritt und die angespannte Atmosphäre bildhaft geschildert und spürbar wird.
Besonders der menschliche Aspekt seiner Figuren kommt – wie auch im vorherigen Band – hier zum Tragen und ist ein wichtiger Bestandteil des Geschehens und bildet mit den Kriminalfällen die spannende, aber auch „unter die Haut gehende“ Gesamthandlung. Eine kleine Ahnung hatte ich, wer sich hinter dem „Gesandten“ verbirgt und lag tatsächlich richtig, was aber die Lese-Empfehlung keineswegs schmälert und ich insgesamt vier von fünf möglichen Punkten vergebe und hoffe, dass die Reihe bald fortgesetzt wird!
Fazit: Anschaulich geschilderte Kriminalhandlung, die bewegt, nachdenklich macht, aber auch nervenaufreibend daherkommt, weswegen ich hier meine Lese-Empfehlung ausspreche und auf eine baldige Fortsetzung der Reihe hoffe!
der Hörverlag
Nach „Blindes Eis“ ist nun auch das vierte Hörbuch „Totenklippe“ aus der Dark-Iceland-Reihe erschienen. Erneut hat der Schauspieler Steffen Groth die Lesung übernommen.
Zuletzt bahnten sich ja berufliche und ganz besonders private Veränderungen bei Ari, dem isländischen Polizisten an, der in dem beschaulichen Ort Siglufjörður lebt und arbeitet. Wie es damit weitergeht, ist Teil der aktuellen Handlung.
Es sind nur noch ein paar Tage bis Weihnachten als Ari einen Anruf von seinem ehemaligen Chef und Kollegen Tómas bekommt. Dieser bittet Ari um Mithilfe bei den Ermittlungen in einem etwas merkwürdig anmutenden Todesfall:
Im Norden Islands hat man eine junge Frau tot unterhalb der dortigen Klippen aufgefunden. Es könnte sich durchaus um einen Unfall handeln, doch als Ari erfährt, dass man vor vielen Jahren an genau der Stelle auch die Leiche der Mutter und der jüngeren Schwester der Toten fand, wird er hellhörig und willigt ein, Tómas bei den Ermittlungen vor Ort zu unterstützen.
Es lebt nur noch eine kleine Gruppe Menschen an dem abgelegenen Ort und als sie zu dem Todesfall befragt werden, stellt sich schnell herausstellt, dass sie alle ihr „Päckchen“ und auch so manches gut verborgenes Geheimnis mit sich herumtragen….
Steffen Groth variiert bei der Lesung seine Stimme, so dass man die Mitwirkenden gut unterscheiden kann.
Zu Beginn schwebt eine etwas düstere, geheimnisvolle Atmosphäre über dem Geschehen, das der Autor wieder in seinem ruhigen Erzählstil und mit anschaulichen Szenerien aufgeschrieben hat. Der Leser bekommt Einblick in die isländischen Weihnachtstraditionen und Gebräuche, was gut zur Rahmenhandlung und zur Weiterentwicklung der Hauptfigur passt.
Um was es hier letztendlich thematisch geht, war mir recht schnell klar, mindert aber die Hörempfehlung dieses Buches keinesfalls, denn die tief verborgenen Geheimnisse der Menschen an diesem recht einsamen Ort, schwappen erst langsam an die Oberfläche, so dass menschliche Schicksale sichtbar werden, verdächtige Personen zu Tage treten und am Ende durch einen Twist, sich aber auch „das Böse“ zeigt, das einen die Nackenhaare hochstehen lässt!
Auch das vierte Hörbuch aus der Dark-Iceland-Reihe hat mir gut gefallen, es ist spannend und hörenswert, weswegen die Reihe gern fortgeführt werden darf!
Fazit: Obwohl erneut leise erzählt, fesselt die spannende Handlung bis zum Schluss!
Heyne
Von John Grisham habe ich schon einige Bücher gelesen und mich immer gut und spannend unterhalten gefühlt, wie zuletzt bei „Der Polizist“, wo nach jahrelanger „Abwesenheit“, der in Mississippi tätige Anwalt Jake Brigance (vielen bekannt aus „Die Jury“) mal wieder in Erscheinung tritt .
Nun habe ich den neuen Roman des Autors „Der Verdächtige„ gelesen, der handlungsmäßig nach Florida führt, wo Lacy Stoltz als Anwältin in der „BJC“, der Aufsichtsbehörde arbeitet, die sich mit standeswidrigem Verhalten von Richter(n)innen befasst. Kürzlich war es Lacy gelungen einen aufsehenerregendem Fall von Korruption – den genauen Hergang kann man übrigens in „Bestechung“ nachlesen – aufzuklären.
Doch nun ist gerade etwas Ruhe eingekehrt und ihr Feierabend in greifbarer Nähe als das Telefon klingelt und eine weibliche Stimme sich meldet und Lacy um ein „Vieraugengespräch“ bittet, da sie ein schwerwiegendes Fehlverhalten eines Richters melden möchte.
Etwas zögerlich willigt Lacy ein und trifft sich mit der Unbekannten, die sich aus Ängstlichkeit und der Sorge vor Entdeckung anfangs hinter dem Pseudonym Margie verbirgt, aber Erstaunliches zu berichten hat:
Aus privaten Gründen ist sie seit mehr als 20 Jahren auf der Suche nach Beweisen um einen ihr namentlich bekannten Richter als Mörder zu überführen. Akribisch hat sie eine Vielzahl an Akten angelegt, die sich aber nicht nur mit einem Todesfall beschäftigen, sondern es geht um eine ungelöste Mordserie, die sich über mehrere Staaten Amerikas erstreckt. Einen Zusammenhang zwischen diesen Fällen hat bisher nur sie entdeckt. Da es kürzlich wieder einen Mord gab, der „seine Handschrift“ trägt, sollen sich nun die offiziellen Stellen – und allen voran das BJC und somit Lucy – damit beschäftigen diesem Richter das Handwerk zu legen bzw. alle notwendigen Schritte einleiten, damit er gefasst wird.
Lucy bekommt es mit einem hoch intelligenten, penibel Fehler vermeidenden und keine Spuren hinterlassenden Mörder zu tun, dem es auch nicht verborgen bleibt, dass gegen ihn ermittelt wird. Er spielt bald Katz und Maus mit seinen „Gegnern“, lässt aber auch das Morden nicht sein….
Ich habe das Buch gern gelesen und mich spannend unterhalten gefühlt.
Die Handlung splittet sich bald in unterschiedliche Perspektiven auf, was aber gut gelungen, den Lesefluss nicht beeinträchtigt und alles gut nachvollziehbar ist.
Bei den Hauptakteuren gibt es einen wohldosierten Einblick ins Privatleben, was gut in die Gesamthandlung eingewoben ist und nicht vom roten Faden ablenkt.
Besonders gut hat mir hier gefallen, dass John Grisham darauf verzichtet hat, dem Leser Gesetze und Vorschriften „zu erklären“, weswegen in diesem oder jenen Bundesstaat der USA die Strafverfolgung so oder so vonstattengeht.
Da die Suche nach Beweisen extrem schwierig ist, dies hier aber recht ausführlich geschildert wird und einen Großteil der Handlung einnimmt, kam das Ende der Story etwas abrupt für mich. Nach der schwierigen und komplizierten Suche zu Beginn, hätte ich mir den Showdown dann doch etwas „spektakulärer“ vorstellen können. Dies aber nur am Rande, denn an meiner Lese-Empfehlung für das spannende Buch, ändert sich deswegen nichts.
Fazit: Spannend und fesselnd geschilderte Jagd nach einem Mörder, der mit allen Wassern gewaschen ist!
Heyne NetGalley
Das Autoren-Duo war mir bis dato nicht bekannt. Mit „Gequält“ beginnt ihre als Trilogie angelegte Thriller-Reihe „Rachejagd“:
Im Prolog kann man miterleben welchem Martyrium die Freundinnen Anna und Natalie ausgesetzt sind. Ihr Peiniger Edward Harris hatte sie gemeinsam entführt und in einem düsteren, stinkendem Gefängnis gefangen gehalten. Anna gelingt es zu fliehen, muss aber ihre Freundin schweren Herzens zurücklassen, da es ihr nicht gelingt Natalies Fesseln zu durchtrennen. Und dann rennt Anna um ihr Leben…..
Drei Jahre vergehen und Anna arbeitet jetzt als Investigativ-Journalistin. Nur mit großer Mühe hat sie ihr Erlebtes hinter sich gelassen und es quält sie immer noch, dass sie ihrer Freundin Natalie nicht helfen konnte. Sie selbst war damals lange herumgeirrt und konnte mit letzter Kraft an einem Haus klingeln, sodass ihr geholfen werden konnte.
Ihr Fall hatte lange Zeit die Medien in Atem gehalten, ganz besonders, weil es Edward Harris gelungen ist zu fliehen. Seitdem hat man nie wieder etwas von ihm gehört, doch das ändert sich schlagartig:
Annas Arbeitstag beginnt mit dem Sichten ihrer Post. Ihr fällt ein Umschlag auf, der mit bräunlicher Schrift und dem Vermerk „persönlich“ versehen ist. Der Zettel der sich darin befindet riecht merkwürdig und schon beim Lesen der ersten Worte bleibt ihr fast das Herz stehen und ihr läuft ein kalter Schauer über den Rücken! Sofort ist die Alptraumszenerie von damals zurück und sie stellt sich die bange Frage:
Ist dieser Brief tatsächlich von ihrem Peiniger Edward Harris und fängt der Alptraum von damals wieder an?
Nun, diese Antwort bleibe ich hier schuldig. Denn es lohnt sich wirklich, sich auf diesen sehr spannenden und wendungsreichen Thriller einzulassen. Allerdings braucht man schon starke Nerven, denn die hier geschilderten Szenerien lassen einen schon die Nackenhaare hochstehen.
Anna durchlebt erneut eine alptraumhafte Zeit, allerdings hat sie einige Personen an ihrer Seite, auf die sie sich verlassen kann und die ihr hilfreich zur Seite stehen, das allerdings bleibt auch der Person nicht verborgen, die für den Brief verantwortlich ist….
Alles in allem finde ich diesen Thriller spannend und gelungen. Der Erzählstil ist flüssig und durch die vielen Twists in der Handlung wird es nicht langweilig. Die Mitwirkenden sind gut gezeichnet und recht schnell hat man sie vor dem inneren Auge parat. Die Szenerien werden sehr anschaulich geschildert, so dass einem beim Lesen schon mal der eine oder andere Schauer über den Rücken laufen kann.
Aber ich muss auch anmerken, dass ich recht schnell die Idee hatte, dass hier nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint und lag mit meiner Vermutung richtig, Das Auftauchen einer Person im Showdown hat mich nicht sonderlich überrascht, aber welchen Part sie schlussendlich einnimmt, muss man aber noch abwarten, so dass ich gespannt bin, wie es weitergeht.
Fazit: Spannender und wendungsreicher Page-Turner, der einem in den nervenaufreibenden Szenerien schon mal einen Schauer über den Rücken laufen lässt!
der Hörverlag
Im Juni d.J. hatte ich hier „Todesnacht“ aus der Dark-Iceland-Reihe des Autors vorgestellt.
Nun ist das dritte Buch daraus mit dem Titel „Blindes Eis“ erschienen, das ich mir in der Hörbuchfassung von dem Schauspieler Steffen Groth habe vorlesen lassen:
Die Handlung dieser Reihe ist in Island, genauer gesagt im sehr abgelegenen Örtchen Siglufjördur angesiedelt. Vor geraumer Zeit hatte auf dem dortigen Polizeirevier der junge engagierte Polizist Ari seinen Dienst angetreten. Er war mitten im Winter aus der Großstadt Reykjavik in den beschaulichen Ort gezogen, wo er anfangs mit den vorherrschenden Witterungsbedingungen wie Kälte, Eis und Schnee, langer Dunkelheit und der damit verbundenen Einsamkeit zu kämpfen hatte. Diese düstere Stimmung findet man auch in den Geschichten der Reihe wieder.
Hatte Ari zuletzt den Mord an einem Bauunternehmer aufzuklären, ist die Kriminalitätsrate in der Gegend aber doch eher niedrig und kleinere Delikte an der Tagesordnung, weswegen er auch Zeit findet, sich mit einem weit zurück liegenden Kriminalfall zu beschäftigen:
Ari bekommt einen Anruf von Hedinn, einem älteren Mann, der ihn bittet, den für ihn fragenaufwerfenden Tod seiner Tante noch einmal zu untersuchen, denn es ist ein Foto aufgetaucht, worauf eine ihm völlig fremde Person abgelichtet ist…
Die Recherchen führen Ari 60 Jahre in die Vergangenheit und in eine sehr abgelegene Gegend, die man nur zu Fuß über einen schwer zugänglichen Bergpass erreichen kann. Dorthin zogen Ende der 1950ziger Jahre zwei Ehepaare um in einem einfachen Bauernhaus zu leben. Hedinn wurde dort geboren und einige Monate später starb seine Tante an einer Vergiftung. Damals wurde der Fall als Unfall eingestuft, aber es gab auch andere Gerüchte…
Parallel zu Aris Recherchen gibt es einen Handlungsteil, wo man die Journalistin Irsun kennenlernt, die sich mit einem aktuellen Fall von Kindesentführung beschäftigt. Im Verlauf kommen noch weitere „Ermittlungen“ hinzu, wo Drogenkonsum, Fahrerflucht oder auch kriminelle Verwicklungen bis in hohe Regierungskreise für Schlagzeilen sorgen.
Irgendwann kreuzen sich Aris und Isruns Nachforschungen…
Die Gesamthandlung setzt sich aus vielen kleinen Puzzlesteinchen zusammen, die Ari und im Verlauf auch Isrun durch akribisches Befragen von Zeitzeugen und unermüdliches Recherchieren zu Tage fördern.
Die Auflösung des „Vergiftungsfalls“ hat mich zwar nicht sonderlich überrascht, hatte ich doch in dieser Richtung schon gedacht, aber nichtsdestotrotz mag ich diese leise erzählten und nicht minder spannenden Geschichten aus dem Hohen Norden bzw. der Dark-Iceland-Reihe.
Da sich die Hauptfigur Ari mittlerweile weiterentwickelt hat und bei ihn eventuell privat sowie beruflich Veränderungen anstehen, bin ich gespannt wie es weitergeht.
Fazit: Ruhig erzähltes, aber nicht minder spannendes 3. Buch der Dark-Iceland-Reihe!
Fischer Verlage
Ein neuer Fall für DI Ben Kitto
Handlungsmäßig geht es auf die zu Cornwall gehörenden Scilly-Inseln, einer recht großen Inselgruppe, die vor der Südwestküste Englands im Atlantik liegt. Die Autorin kennt diese Inseln sehr gut, da sie seit ihrer Kindheit dort die Sommer verbringt.
Die Hauptfigur in dieser Krimi-Reihe – DI Ben Kitto – ist auf der Insel Bryher aufgewachsen, die er dann für seine Tätigkeit als Undercover-Ermittler verließ und in London lebte.
Nun ist er seit geraumer Zeit zurück auf den Inseln, die er wie seine Westentasche kennt, was ihn bei seiner jetzigen Tätigkeit als Ermittler der zuständigen Polizeidienststelle zu Gute kommt.
Die raue, windumwobene wunderschöne Landschaft der Inseln bildet die Kulisse der spannenden Gesamthandlung:
Es ist Mitte Dezember, sehr windig und Nebelschwaden hemmen die Sicht als sich die elfjährigen Zwillinge Jade und Ethan Minear mitten in der Nacht heimlich aus ihrem Zimmer schleichen um sich draußen mit jemandem zu treffen. Sie laufen hintereinander durch eines der angrenzenden Narzissenfelder, das zur großen Blumenfarm ihrer Eltern auf St. Martin’s gehört. Durch den immer dichter werdenden Nebel verliert Ethan seine Schwester kurze Zeit später aus den Augen. Dann hört er ihrem Hilfeschrei, suchend schaut er sich um, kann sie aber nicht entdecken, dann packt ihn jemand fest an die Schulter und hindert ihn am weiterlaufen…
Ethan kann sich zwar losreißen und findet nach Hause zurück, ist aber nach diesem Ereignis so verstört, weil er Jade nicht helfen konnte, dass er kein Wort mehr spricht. Von seiner Schwester fehlt seitdem jede Spur….
Ben Kitto und seine zwei Mitarbeiter übernehmen die Ermittlungen. Die Suche nach Jade bestimmt die Handlung. Nicht nur die schlechten Witterungsverhältnisse oder Ethan „Sprachlosigkeit“ erschweren dieses Unterfangen, sondern auch das eher unkooperative Verhalten des Elternpaars Scott und Gemma Minear wirft viele Fragen auf…
Während alle Inselbewohner befragt werden, wird immer deutlicher, dass die wohlhabende Familie Minear zwar ein ganz wichtiger Arbeitgeber auf der Insel ist, Scott sich aber mit seiner herrischen und fordernden Art nicht nur Freunde gemacht hat. Das Unternehmen steht für ihn an erster Stelle, weswegen es auch innerhalb der Familie viel Konfliktpotential gibt…
Von Anfang an herrscht eine unheilvolle, nichts Gutes erahnende Atmosphäre über dem Geschehen und als Leser bangt man um das Leben des Kindes. Da es im Verlauf nicht nur um die Suche nach Jade geht, sondern noch mehr kriminelle Energie zu Tage tritt, ein Mord geschieht und offenbar „das Böse“ Katz und Maus mit den Ermittlern spielt, bleibt es bis zum Schluss spannend und Verdächtige gibt es zu Hauff…
Ich habe „Leise steigt die Flut“, den mittlerweile 5. Fall für Ben Kitto wieder gern gelesen – wie auch seinen vorherigen Einsatz in „Tiefrot tanzen die Schatten“ – und mich gut und spannend unterhalten gefühlt.
Besonders gut ist es der Autorin gelungen, die Person zu „tarnen“, die sich hinter der Maske des Bösen verbirgt, die Überraschung ist ihr wirklich gelungen!
So unterhaltsam, spannend und unvorhersehbar darf es gern weitergehen!
Fazit: Die schöne Landschaftskulisse trügt, hier tritt viel kriminelle Energie zu Tage, die für spannende Unterhaltung sorgt! Gern weiter so!
Lübbe
Wenn ich so an meinem großen Bücherregal entlang schaue, finden sich dort tatsächlich sämtliche in Deutschland erschienen Thriller des isländischen Autors Arnaldur Indridason, dessen Schreib-/Erzählstil ich einfach liebe und daher auch seine Bücher immer wieder gern lese. Alle seine Ermittler, seien es nun Kommissar Erlendur, Thorson und Flóvent oder auch wie jetzt aktuell, der pensionierte Kommissar Konrad haben eins gemeinsam, sie lösen ihre Fälle mit Köpfchen, was sich durch unermüdliches Nachfragen und akribisches Recherchieren auszeichnet, denn sie geben sich erst zufrieden, wenn alle Puzzlesteinchen an die richtige Stelle gefallen sind.
Wer die Reihe um diesen isländischen Kommissar noch nicht kennt, dem kann ich nur raten, sie von Beginn an zu genießen, auch wenn man das aktuelle Geschehen ohne Vorkenntnisse verfolgen kann, mit dem „Hintergrundwissen“ aus den vorherigen Büchern ist man aber viel schneller wieder im Geschehen und lohnen tut es sich sowieso, sie zu lesen!
Auf geht’s nach Island, genauer gesagt nach Reykjavík und Umgebung:
Zu Beginn der aktuellen Handlung lernt der Leser eine Frau namens Eygló kennen, die früher als Medium tätig war und sich gut mit okkulten und übersinnlichen Phänomenen auskennt. Außerdem ist sie mittlerweile eine gute Bekannte/Freundin von Kommissar Konrad, denn ihre Väter kannten sich gut und waren Partner bei sehr zwielichtigen Geschäften, wo sie leichtgläubigen Menschen bei spiritistischen Sitzungen viel Geld aus der Tasche gezogen haben. Seit Konrad sich mit dem unaufgeklärten Mordfall an seinem Vater beschäftigt, steht er mit ihr in Kontakt.
Sie ist es auch, die ihn anruft, da man in einem Haus in der Kellerwand ein Skelett gefunden hat. Sie berichtet ihm, dass sie vor vielen Jahren einmal dort gewesen sei, weil die dort wohnende Frau sich im Haus nicht wohl gefühlt habe und sie um ihre Meinung gebeten hatte. Eygló selbst erinnert sich noch gut, dass sie schon beim Betreten des Hauses ein unbeschreibbares Unwohlsein verspürt hatte….
Von den polizeilichen Ermittlungen zu diesem skurrilen Fund erfährt man wenig, auch als Konrad seine alten Kontakte bemüht, stößt er dort auf eine „Wand des Schweigens“….
Aber als Leser hat man es da etwas besser, denn der Autor gibt in unterschiedlichen Erzählsträngen Einblick in die schrecklichen Ereignisse, die sich in dem Haus zugetragen haben…
Die Gesamthandlung ist sehr komplex, führt u.a. weit in die Vergangenheit, denn Konrad spürt Zeitzeugen auf, die er akribisch befragt und ist dankbar für jede noch so kleine Information um den Mord an seinem Vater aufzuklären.
Was für eine Bandbreite an krimineller Energie hier sichtbar wird, ist düster und lässt in menschliche Abgründe blicken!
Ich mag diesen Kommissar Konrad mit seinen Ecken und Kanten und seinen akribischen „Ermittlungsstil“ und habe mich auch diesmal wieder spannend unterhalten gefühlt!
Fazit: Spannend erzählter Thriller – der gruselig beginnt, düster bleibt und in menschliche Abgründe blickt -, den man nicht verpassen sollte!
Bookuture
Ein paar Monate sind vergangen seit Detective Josie Quinn in „Ihre begrabenen Geheimnisse“ im Mordfall Colette Fraley, der Mutter ihres geliebten Freundes und Kollegen Noah, ermittelte.
In der aktuellen Handlung ist Josie mit dem kleinen Harris auf dem Spielplatz im Stadtpark, wo seit einiger Zeit auch ein Karussell mit Pferdefiguren bei den Kindern für große Freude sorgt.
Gerade tollte das Mädchen mit den blonden Zöpfen noch lachend über den Spielplatz, dann sieht man sie auf einem der Pferde des Karussells platznehmen und die Fahrt beginnt, doch kurz nachdem sie beendet ist, ist das Kind verschwunden….
Das Mädchen heißt Lucy Ross, ist sieben Jahre alt und in Begleitung ihrer Eltern auf dem Spielplatz. Josie ist gerade mit Harris in Richtung Ausgang unterwegs als sie auf die verzweifelten Rufe nach Lucy aufmerksam wird. Sie bietet ihre Hilfe bei der Suche nach ihr an…
Einige Zeit später wird Lucys Rucksack und eine darin befindliche Notiz gefunden, aus der hervorgeht, dass Lucy entführt wurde…
Kaum hat man die ersten Sätze dieses Buchs gelesen, fliegen alle weiteren nur so dahin. Seit dem Verschwinden des Kindes schwebt eine unheilvolle, angespannte Atmosphäre über dem Geschehen.
Lange Zeit rätselt man, warum Lucy entführt wurde und was mit ihr geschehen ist. Und genau diese Ungewissheit bzw. „Unvorhersehbarkeit“ hält so lange an, bis die Autorin ganz zum Schluss das Rätsel löst…
Ich frage mich immer, wie Lisa Regan ihre Themen findet, die sie dann im Buch verwendet. Sie hat wirklich „ein Händchen“ dafür die Szenerien anschaulich zu skizzieren und die Leserschaft immer wieder spannend und fesselnd zu unterhalten, was mir sehr gut gefällt!
“Ihre stumme Bitte“ ist mittlerweile das sechste Buch der Josie-Quinn-Thriller-Reihe, das nicht nur mit einem unvorhersehbaren Kriminalfall unterhält, sondern auch in menschliche Abgründe blicken lässt und Schicksale aufdeckt, die berühren.
Fazit: Unbedingte Leseempfehlung der gelungenen nervenaufreibenden Fortsetzung der Josie-Quinn-Reihe!
RandomHouseAudio
Fall Nr. 6 für Cormoran Strike und Robin Ellacott
Ich habe mich für die Hörbuch-Version von „Das tiefschwarze Herz“ entschieden, denn Dietmar Wunder, mit seiner unverwechselbaren Stimme, die er ja u.a. auch Adam Sandler oder Daniel Craig „leiht“, hat wieder die Lesung übernommen, was für mich immer eine große Freude ist.
Etwas Zeit sollte man allerdings für den neuen Fall der beiden Privat-Ermittler schon einplanen, d.h. 33 Stunden für die ungekürzte Lesung!
Führte ihr letzter Einsatz in „Böses Blut“ in die Vergangenheit um einen alten Mordfall neu aufzurollen, wo sie sich u.a. mit Astrologie beschäftigen mussten, geht es diesmal in die Welt des Internets und der sozialen Medien, was eher unbekanntes Terrain für Cormoran und Robin ist und sie solche Ermittlungen eigentlich nicht übernehmen. Doch diesmal kommt alles anders:
In der Detektei erscheint eine junge Frau, die unbedingt mit Robin sprechen will, weil sie sich von jemandem auf unschöne Art belästigt fühlt. Sie heißt Edie Ledwill und gibt an, dass sie Co-Entwicklerin der überaus bekannten und beliebten Animationsserie Das tiefschwarze Herz ist. Der Erfolg der Serie hat aber mittlerweile für sie einen sehr unangenehmen Nebeneffekt hervorgerufen, denn seit geraumer Zeit wird sie von einem aufdringlichen Fan, der sich hinter dem Pseudonym Anomie versteckt, belästigt bzw. regelrecht terrorisiert und sie bangt um ihr Leben. Sie will endlich wissen, wer sich hinter „Anomie“ verbirgt, damit die Person zur Rechenschaft gezogen werden kann.
Auf Robin wirkt die Schilderung der recht aufgewühlt wirkenden Frau etwas konfus und die Unterlagen, die sie ihr präsentiert sind offenbar Chatprotokolle und andere Notizen aus den sozialen Medien. Robin glaubt, dass die Detektei hierbei nicht der richtige Ansprechpartner ist und verweist Edie an Kollegen, die sich in diesem Metier besser auskennen.
Ein paar Tage später ändert sie dann aber ihre Meinung, denn Robin liest die erschütternde Nachricht, dass man Edie Ledwell auf dem Highgate Cemetery ermordet aufgefunden hat, dem Friedhof, der auch Schauplatz von Das tiefschwarze Herz ist….
Das Eintauchen in die Online-Welt ist eine große Herausforderung für die Mitarbeiter der Detektei, denn sie haben es offenbar mit einem gut getarntem perfiden Mörder zu tun, den es heißt in der realen Welt zu enttarnen und zu stoppen. Dabei sie geraten bald an ihre Grenzen, müssen auch um ihr Leben fürchten, denn es wird plötzlich explosiv…
Es knistert weiterhin zwischen Robin und Cormoran, aber ob es ihnen diesmal gelingt, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen, verrate ich natürlich nicht.
Obwohl Dietmar Wunder hier durch den Einsatz seiner vielen Stimmnuancen sein Können zeigt und die Handlung lebendig werden lässt, erfordert das richtige Einorden der vielen Online-Chats mit Teilnehmern, die gut verborgen hinter Alias-Namen agieren, volle Konzentration vom Zuhörer, damit man sich in diesem Wirrwarr nicht verzettelt, worunter der Spannungsbogen etwas leidet, was schade ist.
Alles in allem ist die Fortsetzung der Reihe aber durchaus gelungen und betrachtet man die Decknamen mal im Anschluss etwas genauer, hat Robert Galbraith (ist ja auch ein Pseudonym!, nämlich das von J.K. Rowling, der Autorin der Harry-Potter-Bücher) diese ganz geschickt eingesetzt um dahinter die realen Figuren zu verbergen. Auch wenn die anstrengenden Chats hier dem Zuhörer einiges abverlangen, gelingt die Einordnung mit Hilfe Dietmar Wunders nuancierter Vortragsweise und man kann in die Handlung eintauchen!
Fazit: Komplizierte Ermittlungen in der Online-Welt, die durch Dietmar Wunders gekonnte Vortrags-Weise nachvollziehbar werden und man in die Handlung eintauchen kann, gern weiter so!
der Hörverlag
Ein Jahr mussten die Fans von „Sneijder und Nemez“ warten und bangen wie bzw. ob es nach den nervenaufreibenden Ereignissen in „Todesschmerz“ überhaupt weitergeht!
Nun ist „Todesrache“ erschienen und ich frage mich gerade, wo die elf Stunden geblieben sind, die die Hörbuchfassung dieses Thrillers dauert. Nun, sie sind einfach nur dahingeflogen, so spannend gelungen ist die Fortsetzung der Reihe!
Erfreulicherweise hat erneut Achim Buch die Lesung des Hörbuchs übernommen. Seine Stimme und der besondere niederländische Akzent, den er für die Figur des BKA-Profilers Maarten S. Sneijder „angelegt“ hat, gehören für mich mittlerweile unverwechselbar zusammen und ich verbinde sie sofort mit dieser ganz besonderen Thriller-Reihe aus der Feder von Andreas Gruber!
Sein stimmliches Können in Sachen Mundart/Dialekt kann Achim Buch diesmal noch mehr zeigen, tauchen doch recht markante „Typen“ in der Handlung auf, die er auf diese Weise „zum Leben erweckt“.
An die anfangs erwähnten schrecklichen Ereignisse aus dem vorherigen Band der Reihe, wo Sneijder sein gesamtes Team verliert und er selbst schwer verletzt wird, knüpft die aktuelle Handlung an. Sneijder hat der Verlust seines Teams und insbesondere von Sabine Nemez sehr schwer getroffen, er ist psychisch nicht gut drauf und igelt sich zuhause ein.
Ein Telefonanruf reißt ihn aus seiner Elegie und er schöpft Hoffnung, dass Sabine Nemez eventuell doch noch am Leben sein könnte….
In Windeseile stellt er ein neues Team zusammen, das sich auf die Suche nach Sabine machen soll….
Parallel zu diesen Recherchen gibt es einen Handlungsstrang, der sich mit einem komplizierten Entführungsfall beschäftigt, wo dann aus privaten Gründen ein Ermittler aus Leipzig auftaucht..
Die Fangemeinde von Andreas Gruber, wird die Figur des hier auftauchenden und einen wichtigen Part übernehmen Walter Pulaski sicherlich kennen, denn er ist der Ermittler, der in der „Rache-Reihe“ bereits sein kriminalistisches Können bewiesen hat. Allerdings bildet er eher unfreiwillig im Verlauf mit Sneijder ein Team. Da ja keiner der beiden einen einfachen Charakter hat, wird diese Zusammenarbeit für beide Seiten kein Zuckerschlecken, der Zuhörer dagegen bekommt hier manche humorvolle Szenerie präsentiert, was die angespannte Atmosphäre, die über der Gesamthandlung schwebt – die übrigends nicht nur in der Gegenwart spielt, sondern auch in die Vergangenheit führt – etwas auflockert und gut passt.
Ich mag den ganz besonderen Erzählstil des Autors und auch die Hauptfiguren mit ihren Ecken und Kanten, die hier ihr ganzes Können aufbieten müssen um diesen komplexen Fall zu lösen.
Ich kann nur sagen, die Handlung hält einen von Anfang an in Atem, die Thematik ist „hard stuff“ und es wird nervenaufreibend und spannend bis zum Schluss, so dass ich von einer sehr gut gelungen Fortsetzung der Reihe sprechen möchte.
Mir persönlich gefällt die Kombination Andreas Gruber als Autor und Achim Buch als Vorleser ganz besonders gut, wie ich bereits oben ausgeführt habe, weswegen ich die Hörbuch-Version priorisiere und hier meine Hörempfehlung ausspreche und auf eine weitere Fortsetzung der Reihe hoffe!
Fazit: Meisterhaft gelungene, nervenaufreibende Fortsetzung der Reihe um „Sneijder und Nemez“, die in der Hörbuch-Version durch die Stimme von Achim Buch eine ganz besondere hörenswerte Note bekommt! Gern weiter so!